Biologische Vielfalt

Artenvielfalt im Ökodorf – der Versuch einer Bilanzierung nach 20 Jahren

Der weltweite Verlust der Artenvielfalt stellt eine der größten Bedrohungen und Herausforderungen für die Menschheit dar. Es gibt das Ziel diese Entwicklung weltweit bis 2020 zu stoppen oder sogar umzukehren. Dabei ist absehbar, dass die internationale Staatengemeinschaft dieses Ziel verfehlen wird.

Es geht dabei nicht nur um die großflächigen Verluste solch bedeutender Lebensräume und der darin vorkommenden Arten wie in den tropischen Regenwälder.

Auch in Deutschland, direkt vor unserer Haustür, schreitet der Verlust der Biodiversität immer noch stetig voran. Bei uns ist es vor allem die intensive Land- und Forstwirtschaft die maßgeblichen Anteil an dieser Entwicklung hat. Hinzu kommen die stetigen Verluste durch die Versiegelung von Flächen durch verschiedenste Baumaßnahmen und die Zerschneidung der Landschaft durch Autobahnen und andere Verkehrswege sowie intensiv genutzte, ausgeräumte Agrarwüsten. Dadurch wird die Vernetzung von Lebensräumen unterbunden, es gibt keinen Biotopverbund mehr, einzelne Populationen können sich untereinander nicht mehr austauschen, was im schlimmsten Fall zum vollständigen Erlöschen der Vorkommen führt. Um diese Effekte zu verhindern gerät der Aufbau einer „Grünen Infrastruktur“ jetzt zunehmend in das Bewusstsein der Umweltpolitik.

Zahlreiche Erkenntnisse aus der ökologischen Forschung sind ein erschreckender Beleg für diese Entwicklung in Deutschland, wie z.B.:

  • Die Menge an Insekten in der Landschaft hat wahrscheinlich in den letzten Jahrzehnten um bis 80 % abgenommen. Damit fehlt u.a. eine wichtige Nahrungsgrundlage für viele insektenfressende Arten.
  • Durch den Rückgang der Bienen und anderer für die Bestäubung wichtiger Insekten drohen erhebliche Probleme in der Nahrungsmittelproduktion.
  • Ehemals häufige Arten der Kulturlandschaft wie Kiebitz und Rebhuhn zeigen dramatische Bestandeinbrüche und stehen kurz vor dem Aussterben. Selbst Vogelarten, wie die Feldlerche, vor wenigen Jahren noch der häufigste Singvogel in der Altmark, sind inzwischen auf der Vorwarnliste der Roten Liste der gefährdeten Vogelarten gelandet.

Daraus wird deutlich, dass auch wir als Ökodorf eine besondere Verantwortung bei der Bewirtschaftung und Entwicklung unserer Flächen besitzen.

Neben einer Minimierung des Flächenverbrauchs durch Versiegelung haben wir insbesondere eine besondere Verantwortung beim Umgang mit unseren Acker- und Waldflächen sowie Freiflächen im Dorf.

Vieles hat sich in den letzten 20 Jahren hier auf unserem Gelände deutlich verbessert:

  • Die Anlage von Gärten und Freianlagen hat zu einer deutlich höheren Struktur- und damit auch Artenvielfalt, gerade auch bei Vögeln beigetragen.
  • Die neuen Gewässer sind hervorragende Lebensräume für viele Amphibien geworden, darunter auch bundesweit stark gefährdete Arten wie Laubfrosch und Kammmolch.
  • Viele Waldbestände sind durch die Umbaumaßnahmen bereits naturnäher und strukturreicher geworden.
  • Wir haben uns bewusst dafür entschieden im Wald eine gewisse Anzahl alter, dicker Bäume, vor allem Eichen, nicht zu nutzen, sondern als Biotopbäume bis zum natürlichen Zerfall zu erhalten.

Aber es gibt auch noch viel zu tun:

  • Erste Schritte zu einer ökologischen Entwicklung der in unserem Besitz befindlichen Ackerflächen sind durch Verpachtung an einen Öko-Betrieb eingeleitet worden.
  • Aber wir haben für diese Flächen noch kein Entwicklungskonzept, das auch Aspekte des Biotopverbundes und –entwicklung, z.B. in Form artenreicher Rand- und Gehölzstreifen berücksichtigt.
  • Das derzeit laufende Bodenordnungsverfahren bietet Chancen für eine auch an ökologischen Zielen orientierte Neuordnung der Flächenstrukturen in unserer Gemarkung. Wir müssen aber gerade feststellen, dass die personellen Kapazitäten fehlen sich hier sehr viel aktiver einzubringen.
  • Zugleich müssen wir sehr viele Abwehrkämpfe führen: seien es die nicht fachgerecht ausgeführten Verstümmelungen der Gehölze an den Feldwegen oder mögliche Gefahren, die sich aus der Erdgasförderung ergeben. Dies bindet auch eine erhebliche Menge personeller Ressourcen.
  • Für unsere Waldflächen fangen wir gerade noch einmal an ein Entwicklungskonzept zu erarbeiten, das unsere Ansprüche an den Wald als Ökodorf an Holznutzung, vor allem für Brennholz, aber auch als Erholungs- und Erlebnisraum mit ökologischen und ökonomischen Belangen in Übereinstimmung bringen soll.

Dabei tauchen dann u.a. folgende Fragen auf:

  • Mit welcher Technik wollen wir im Wald arbeiten?
  • Was darf unser Holz aus dem eigenen Wald kosten?
  • Wie sieht eine passende Waldnutzungsstrategie für das Ökodorf aus, die die Probleme der herkömmlichen Forstwirtschaft in der Altmark mit ihren gleichaltrigen Kiefern-Monokulturen vermeidet?
  • Wieviele Flächen wollen wir für artenreiche Waldränder und Wegeseitenräume zur Verfügung stellen?
  • Wie viel Bäume wollen wir alt werden lassen und aus der Nutzung nehmen?
  • Macht es Sinn noch einmal grundsätzlich über die Art und Weise der Wärmeerzeugung im Ökodorf nachzudenken? Sind z.B. Holzhackschnitzel für ein Blockheizkraftwerk eine Alternative?

Und darüber hinaus, welche nachhaltigen Landnutzungsstrategien können wir hier modellhaft im Ökodorf entwickeln damit sie als übertragbare Alternativen auch andernorts in Deutschland zum Tragen kommen können?

1 Antwort

  1. l.briesnitz sagt:

    Hallo,
    mit interesse habe ich gerade eure für mich neue seite studiert. beim thema artenvielfalt und forstwirtschaft bin ich hängen geblieben und denke hier einmal meine gedanken aufschreiben zu müssen.
    ehrenamtlich kümmere ich mich um unseren kirchenwald und bin auch eine gern gesehene hilfe im wald einiger freunde. unser kirchenwald umfasst 12 ha und wir versuchen in jahresscheiben die pflegen nachzuholen welche die letzten 25 jahre nicht gemacht wurden. (wobei man pflegen nicht nachholen kann) in unserer region haben wir eher fichtenbestände was aber eigentlich egal ist.
    pflegen erfolgen hier alle 8 – 10 jahre d.h. wir müssten nach zehn jahren in etwa rum sein. also jedes jahr einen ha. viel arbeit und wir haben die letzten drei jahre im schnitt 40 fm verkaufsfähige fichte geerntet und ca.25 rm brennholz.
    wenn man eine nutzung hätte so wie bei ihnen bräuchte man das holz nicht verkaufen. ich würde mir ein bandsägewerk kaufen und hätte mein eigenes bauholz und je nach investition auch noch welches zum tischlern. ( investition keine 10 tsd.€) beim sägen fällt wieder feuerholz an (ca. 1/3) was genutzt werden kann. somit wäre die wertschöpfung ausgesschöpft. vielleicht findet sich auch ein dorfbewohner der gern holz sägt. kann man auch mobil anbieten.

    zu technik im wald: ich nutze einen kleinen alten traktor mit seilwinde und eine kettensäge also zwei aber ich hab ja nur zwei hände.
    wenn es mir zur verfügung stehen würde reichte auch ein pferd völlig aus. die seilwinde müßte dann durch einen greifzug ersetzt werden um hänger herunterzuziehen. mit einem pferd wäre ich zeitlich gesehen evtl sogar noch schneller. habe mit beiden verfahren gearbeitet deshalb der vergleich. kostenvergleich technik : pferd meiner schätzung nach 3:1 .

    wieviel das holz kosten kann läst sich rechnerisch ermitteln wenn man alle mengen weiß. bedarf bauholz, menge sägeholz, menge verkaufsholz, mengen brennholz bzw. abfall vom sägen und durchforstung, transport, rückung, fällung usw. eine rolle spielt dabei ob es nur um die arbeitsleistung geht oder ob der holzwert als solches mitbetrachtet werden muss oder soll.

    in diesem zusammenhang würde ich rein energetisch von einer hackschnitzelheizung abraten.
    Warum mit teurer energie kleinmachen um es dann trotzdem nur zu verfeuern.
    an meiner arbeitsstelle wird eine art kraft wärmekopplung betrieben. ein gas motor erzeugt strom und die abwärme wird zum heizen und warmwasser benutzt. im winter wenn die abwärme nicht reicht wird mit hackschnitzeln zugefeuert.
    ist erst mal besser als braunkohle.
    problem die feuchte der hackschnitzel. je feuchter desto schlechter der wirkungsgrad….. nicht zu vergessen schimmelsporen, energieaufwendung zur herstellung usw…..
    ein guter vergasserkessel brennt auch nicht stückiges holz. meine rester vom spalten und sägen wandern alle mit in den kessel und gut. eher wäre eine fernwärmeleitung zu überdenken wenn die häuser nicht zu weit auseinander stehen. ein kessel der stets in betriebstemperatur läuft spart energie weil er nicht ständig wieder hochgefeuert werden muss. abgesehen von den dingen wie schwitzwasserbildung (kesselvorlauftemperaturanhebung, glanzruss usw..)

    ganz kurz will ich mich noch zu den wegrändern äußern.
    ich habe von einer flurneuordnung gelesen. klingt gut macht aber auch chancen zunichte.
    kleines beispiel.
    ein freund hat all seine flächen ca. 10 ha wieder selbst in nutzung genommen. nichts besonderes aber er hat keine flächen getauscht oder wie auch immer. er hat sie so genommen wie sie sind. nicht arondiert eben. mit dem effekt, das wieder viele grenzen entstanden sind. grenzen im sinne von wiesensaum ein halber manchmal ein meter gras was nicht gemäht wurde. es gibt schon stellen wo ein baum aufgegangen ist oder man einfach gefundene feldsteine agelagert hat usw. zum teil haben wir eine hecke von etwa 3 m breite gepflanzt. diese ränder sind kleine biotope welche von vögeln als schutz benutzt werden weil sie die grüne wüste durchschneiden usw…… will sagen wenn man in einer großen konventionellen fläche ein stück land hat ist das nicht schlecht wenn man einen randstreifen durchsetzen kann. 2m auf dem eigen land und man wird sehen wie es wirkt. hardriegel hasselnuss eberesche linde schlehe usw. wichtig dabei ist es. die hecken müssen gepflegt werden.
    nun habe ich hier ziemlich kluggesch…. aber es sind meine erfahrungen und die teile ich gern. vielleicht waren ein paar interessante gedankenanstöße dabei.
    gern würde ich mir euer dorf auch mal anschauen.
    mfg
    l.briesnitz

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