Ökologischer Fußabdruck

Wir streben an, so zu leben, das alle Menschen auf diesem Planeten so leben könnten, und die Erde uns alle ernähren könnte, und die CO2-Belastung für den Planeten in einem vertretbaren Rahmen bleibt.

Die Spuren, die unser Leben in der Ökologie der Erde hinterlassen, werden „ökologischer Fußabdruck“ genannt. Es ist uns ein Herzensanliegen, unseren Fußabdruck nicht nur zu schätzen, sondern auch wissenschaftlich erfassen zu lassen, um so ein fundiertes Feedback zu unserem Lebensstil zu bekommen.

Neben kleineren, qualitativen Studien gibt es zwei größere Studien, die Universitäten zu unserem Fußabdruck durchgeführt haben. Die erste ist etwa 15 Jahre her – die Gesamthochschule Kassel erfasste unser Alltagsverhalten in 2002 und veröffentlichte in 2004 eine Studie unter dem Titel „Gemeinschaftlich – nachhaltig“.
Die Universität Turin in Italien hat 2014 unsere Daten erhoben und nun ausgewertet. (Noch unveröffentlicht, Link folgt sobald die Studie veröffentlicht ist.) Unser Verbrauch hat sich in vielen Bereichen seit 2002 verringert. Dies dürfte auch darauf zurückzuführen sein, dass heute ein größerer Teil der Bewohner*innen in hochgedämmten Häusern lebt.


Die Grafik zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind: Mit allem, was wir durch unser Handeln beeinflussen können, ist unser ökologischer Fußabdruck lt. der Studie der Universität Turin nur 27 % des bundesdeutschen Durchschnitts.

Jedoch zeigt die Studie auch auf, dass es längst nicht ausreicht. Was die verträgliche Menge CO2 ist, die für einen Menschen ausgestoßen werden dürfte, darüber gibt es unterschiedliche Lehrmeinungen, aber für das 2°-Ziel dürfte es wohl maximal eine Tonne sein. (Brejnrod et al. 2017, Building and Environment)

Die Studie zeigt auf, wo das größte Handlungspotential für eine Verringerung des ökologischen Fußabdruckes liegt.

In unserem Dorf ist das Thema, bei dem wir wirklich noch substantielle Einsparungen erreichen können, die Mobilität. Allerdings ist dies das Thema, bei dem es uns am schwersten fällt. Manchmal geht es um die Wahl des Verkehrsmittels, und darum, mit öffentlichen Verkehrsmitteln statt mit dem Auto zu fahren, hier ist noch Potential. Aber die wirklichen Einsparungen kämen durch weniger Reisen. Das kollidiert aber mit unserem Anspruch, ganz bewusst nach außen zu wirken, die Tatsache, dass wir uns viel und gerne vernetzen, von anderen Projekten lernen und unsere Erfahrungen an andere Projekte weitergeben wollen.
Wir sind aktiv im Global Ecovillage Network und wenn wir dort zu den Treffen fahren, sind wir oft die Exoten, weil wir auch lange Anreisen in der Regel nicht mit dem Flugzeug machen. Aber auch eine Bahn+Bus-Reise nach Estland, Schweden, Slovenien, Ungarn oder Portugal hat einen erheblichen ökologischen Fußabdruck.
Wollen wir darauf verzichten? Unsere Kinder lieber nicht zu Praktika oder Schüleraustauschen ins Ausland schicken, weil weltweite Freundschaften den ökologischen Fußabdruck zerstören? Hier kollidieren verschiedene Werte, die uns wichtig sind, miteinander und wir haben für dieses Dilemma keine Lösung.

Auch bei der Ernährung gibt es noch Einsparpotential. Nicht nur Fleisch, auch Milchprodukte haben einen hohen CO2-Fußabdruck. Die vegan lebenden Menschen produzieren mit ihrer Lebensweise weniger CO2 als Menschen, die gerne Käse und Butter konsumieren. Zwar wäre z.B. das Fleisch von hier aufgezogenen Kaninchen vermutlich mit weniger Fußabdruck belastet als Tofu, aber in unserer Realität sind es die Milchprodukte, die noch ein wesentliches Einsparpotential bieten würden.

Interessanterweise liegt ein weiteres, wichtiges Handlungspotential für die Verbesserung unseres ökologischen Fußabdruck außerhalb unseres Dorfes.

Denn neben dem Fußabdruck, den wir durch unser eigenes Handeln beeinflussen können, gibt es den „öffentlichen Fußabdruck“, die Grundlast, die durch die öffentliche Infrastruktur, Schule, Krankenhäuser, Militär, Straßen, Plätze, etc. produziert wird. Dieser beträgt alleine ca. 4 Tonnen CO2-Äquivalent pro Person. Hier liegt für uns Sieben Lindener*innen inzwischen das größere Handlungsfeld.

Was können wir dafür tun, dass der Fußabdruck der Infrastruktur in Deutschland geringer wird? Hier wird jetzt deutlich, dass der Weg, unser eigenes Alltagshandeln zu verbessern, seine Grenzen hat, und flankiert werden muss durch politisches Handeln und ein Wirken in die Gesellschaft. Wenn wir durch unser Engagement für den Strohballenbau darauf hinwirken, dass mehr und bessere hochgedämmte Häuser gebaut werden, und dadurch der Fußabdruck der Services in Deutschland sinkt, wenn wir durch unser Engagement im Gemeinderat für energieeffiziente Straßenbeleuchtung sorgen, dann hat das für die Erde wichtige Auswirkungen auf den öffentlichen Fußabdruck – und so wird es immer ein sowohl als auch sein um den persönlichen und den gesellschaftlichen Fußabdruck weiter zu minimieren.