Das haben wir in Sieben Linden über Demokratie gelernt…

Wir haben mal den Buschfunk befragt und Stimmen von Menschen, die in Sieben Linden leben, eingefangen und gefragt, was sie über Demokratie in Sieben Linden lernen oder gelernt haben.

Freut euch auf 7 Lernerfahrungen von 7 Sieben Lindener:innen!

Vertieftes Verständnis für „die große Politik“

Seit ich für ein kleines Dorf mit-verantwortlich bin, entwickle ich mehr Verständnis für die „große Politik“. Warum sich Bürokratie aufbaut, zum Beispiel. Mit der Absicht, Dinge gerecht und transparent zu machen, geht das fast zwangsläufig Hand in Hand. Es ist gar nicht so einfach zu vermeiden.
Eva

Demokratie lebt von uns allen

Unsere letzten Vollversammlungen waren klein – und das hat mich nachdenklich gestimmt. Denn je weniger Menschen zusammenkommen, desto leiser wird die Vielfalt unserer Stimmen. Demokratie ist kein Selbstläufer: Sie braucht unsere Neugier, unsere Meinungen, unsere Anwesenheit.Vielleicht bleiben manche weg, weil sie den Anwesenden vertrauen – ein schöner Gedanke. Und doch: Kollektive Intelligenz entfaltet sich erst wirklich, wenn viele verschiedene Perspektiven zusammenfließen. Was wir gemeinsam denken, ist klüger als das, was wenige allein entscheiden.
(ohne Name)

Eine Meinung haben und Verantwortung tragen sind zwei verschiedene Dinge.

Meinungen und Mitspracherechte haben wir hier alle und das ist gut. Eine Leitungsfunktion heißt: Entscheidungen tragen und vertreten, auch die unbequemen, mit allen Konsequenzen. Das kostet Kraft und nicht jede:r kann und will das. Unsere Dorf-Demokratie braucht beides. Die Beteiligung vieler, auch der Leisen. Und Menschen, die Verantwortung schultern. Wir forschen an einer Kultur, die beides verwebt.
Simone B.

Eine partizipativere Demokratie ist möglich

Beschlussfassende Vollversammlungen, Rätedemokratie in relevanten Bereichen, demokratische Wohnraumvergabe oder ein solidarisches Bieteverfahren für Lebensmittelkosten sind Werkzeuge, um Menschen direkt in Entscheidungsprozesse zu integrieren. Dies ist aus meiner Sicht auch über Dorfstrukturen hinaus möglich und nötig, um der republikweiten Demokratiegefährdung ein MEHR an Demokratie entgegenzusetzen.
Roland

Mit unterschiedlichen Meinungen konstruktiv umgehen

Natürlich haben wir immer wieder auch unterschiedliche Meinungen. Mich berührt dabei, dass wir uns damit sein lassen können und dann gemeinsam eine gemeinsame Lösung finden. Dabei helfen uns auch die Commitments (=Vereinbarungen), die wir vor vielen Jahren getroffen haben: „Ich diene dem Leben“, „Ich übernehme Verantwortung“ und „Ich reife an dem, was mir begegnet“. Manchmal verhaken wir uns kurzzeitig in Email-Diskussionen. Sehr schnell gibt dann jemand den Impuls, die Diskussion auf einem digitalen Zettel oder noch besser per Du in einem Treffen weiter zu führen.
Christoph S.

Demokratie braucht mehr Beteiligung

Wir müssen einfach Zeit in die uns betreffenden Entscheidungen investieren. Das gelingt mir hier im Dorf (noch) nicht immer, aber ich merke, wie anders ich dann auf so einen Entscheidungsprozess schaue und auch viel besser akzeptieren kann, wenn nicht meine Wunschlösung den Zuschlag erhält. Wenn ich den anderen zuhören konnte und ihre Positionen und (Achtung, Triggerwort!) „Befindlichkeiten“ zumindest verstehen und also nachvollziehen konnte. Das ist aufwändig, aber wertvoll.

Wenn sowas ähnliches in der Landes- oder Bundespolitik auch möglich wäre, würde die Demokratie hoffentlich wieder mehr Zuspruch erhalten. Ist inzwischen zeitgemäßer, als nur alle vier Jahre zur Wahl zu gehen und dann wieder (gefühlt) abzutauchen.
Marc-André

Struktur und „leben und leben lassen“

Für ein gutes Miteinander braucht es eine Struktur sowie auch verbindliche Regeln.
Dabei mag ich auch den Satz: Streng in den Regeln, weich in der Ausführung.
Unsere kleine Sieben Linden – Welt spiegelt oft wider, wie komplex und aufwändig es ist, gute und richtige Entscheidungen zu treffen. Was ist schon richtig? Da bleiben Kompromisse nicht aus.

Unser 2/3 Mehrheitssystem mit Veto-Option finde ich hilfreich. Unsere Versuche für „Mehr Gerechtigkeit“ wie z.B. bieteverfahren begrüße ich sehr, auch wenn es aufwändig ist.
Vertrauen zueinander und darin, dass wir grundsätzlich wohlwollend miteinander sind oder uns zumindest darum bemühen ist für mich die stärkste Basis. Das hat hier und da auch immer mal wieder mit Demokratie zu tun.

Ich bin sehr dankbar, dass ich hier in dieser Dorfstruktur leben und lernen darf.
Manuel