Zuzug ins Dorf

Um in Sieben Linden leben zu wollen, ist vor allem beiderseitiges Interesse und Sympathie nötig. Eine langsame Annäherung mit der Möglichkeit sich kennen zu lernen ist in den meisten Fällen von Vorteil.

Annäherung

Es gibt vielfältige Möglichkeiten, das Ökodorf und seine Bewohner*innen kennen zu lernen: über Mitarbeitswochen, Seminare, Sonntagscafés, das Sommercamp, Freiwilligensdienste, private Kontakte o.ä.

Bei ernsthaftem Zuzugsinteresse ist der Weg über eine speziell dafür entwickelte Seminarreihe obligatorisch. Unser Ziel ist es, den Prozess der Annäherung intensiv zu begleiten und auch für die Sieben Lindener*innen ein Kennenlernen der Zuzugsinteressierten sinnvoll möglich zu machen. In aufeinander aufbauenden Kursmodulen ermöglichen wir ein vertiefendes Kennenlernen unserer Gemeinschaft und geben auf allen Ebenen eine fundierte Entscheidungsgrundlage für einen eventuellen Einstieg. Nach jedem Kurs entscheiden sich die Teilnehmer*innen, ob sie den nächsten Schritt machen wollen oder nicht. Zugleich lernen wir als Gemeinschaft die Interessierten auf ihrem Weg nach Sieben kennen und geben ihnen ein Feedback. Auf dieser Grundlage, d.h. im Anschluss an die Seminarreihe, folgt dann ggf. eine einjährige Probezeit vor Ort. Während dieser Zeit schauen beide Seiten, wie sich das Zusammenleben konkret gestaltet.

Hier die Seminarmodule im Überblick:

1. Seminare mit gründlicher Einführung in die Organisationsform Sieben Lindens:

„Projektinformationstage“ (PIT, Wochenendseminar, ca. 9 Termine pro Jahr)

oder „Ökodorf kennenlernen und Urlaub“ (5 Tage, 1-3 Termine pro Jahr)

oder „Ökodorf kennenlernen“ als Workshop beim alljährlichen Sommercamp oder „Kompass für gemeinschaftliche Projektentwicklung“ (1-2 Termine im Jahr).

2. Sieben Linden intensiv (2-3 Termine pro Jahr): Sieben Tage intensiven Kennenlernens des Projektes „Ökodorf Sieben Linden“ durch vertiefende Informationen und Touren durch Sieben Linden. Im Fokus stehen folgende Bereiche: Vision und Umsetzung, Organisationsstruktur, Entscheidungsstruktur, Ökonomie, Ökologie, Gemeinschaftsbildung. Das zentrale Thema der Gemeinschaftsbildung erfahren wir ganz praktisch durch die Erprobung verschiedener Methoden, in Kleingruppenarbeit, in Gemeinschaftsbildungsprozessen, durch Selbsterfahrung und Reflexion.

Sieben Linden intensiv richtet sich an alle an Gemeinschafts- und Projektaufbau interessierten Menschen, sowie an diejenigen, welche mit dem Gedanken spielen, konkret nach Sieben Linden zu ziehen. Nach „Sieben Linden Intensiv“ besteht die Möglichkeit, sich für den zweiwöchigen „Gemeinschaftskurs für Zuzugsinteressierte“ zu bewerben, welcher über Ostern stattfindet und die Voraussetzung für eine Probezeit in Sieben Linden ist.

3. Gemeinschaftskurs für Zuzugsinteressierte (jährlich über Ostern)

In diesem Kurs setzen wir die gemeinsame und individuelle Forschungsreise des Kurses „Sieben Linden Intensiv“ fort. Wir schaffen mit verschiedenen Methoden der Gemeinschaftsbildung einen Raum der gegenseitigen Unterstützung und der Vertiefung der Gemeinschaft der Kursteilnehmer*innen. Wir vertiefen die Informationen über das Lebens- und Arbeitsprojekt Sieben Linden in den Bereichen Soziales, Ökologie und Ökonomie. Wir widmen uns konkreten organisatorischen (z.B. wie sieht dein Engagement für das Eigenkapital aus, dass wir für den Aufbau des Dorfes benötigen?) und inneren Fragen (z.B. passt es für dich in eine große Gemeinschaft zu ziehen oder doch lieber eine kleinere?) zum individuellen Zuzug und schaffen Begegnungsräume (zum Teil im praktischen Arbeiten) zum Austausch über Gemeinschaftsthemen mit den Bewohner*innen Sieben Lindens.

Am Gemeinschaftskurs für Zuzugsinteressierte kann nur nach Teilnahme an Sieben Linden intensiv und auf Einladung aus Sieben Linden teilgenommen werden.

Probezeit in Sieben Linden

Nach der Teilnahme am Gemeinschaftskurs für Zuzugsinteressierte kann, wenn gegenseitige Sympathie und Platz vorhanden ist, die einjährige Probezeit beantragt werden. Zum Antrag gehören zwei Pat*innen (Menschen, die einen durch die Probezeit geleiten), eine „Probezeitfragestellung“ und ein sog. Vorstellungsabend, wo der/die Bewerber*in aus dem eigenen Leben erzählt, Fotos zeigt etc. Dieser Abend wird jeweils ganz individuell gestaltet und hilft der mittlerweile sehr großen Gemeinschaft, einen Einblick in die Welt der Neuzuzügler*innen zu bekommen. In einer anschließenden Abstimmung entscheiden die Bewohner*innen über die Probezeit.

Dann ist der erste Teil der Genossenschaftseinlage fällig, der zweite bei Aufnahme in die Genossenschaft. Neben der Genossenschaftseinlage von insgesamt 12.300 Euro und dem Eintrittsgeld von 1.500 Euro liegen die monatlichen Lebenhaltungskosten für die meisten Bewohner*innen zwischen 700-1000 Euro (das ist kein Geld, das man dem Ökodorf zahlt, sondern die durchschnittlichen allgemeinen Ausgaben der Bewohner*innen für Miete, Nebenkosten, Essen, Infrastruktur usw.). Der Hausbau erfordert weitere finanzielle Mittel. Wir wünschen uns von allen Menschen in Sieben Linden, die sich bewusst für ihren Anteil an dem Kapital, das für den Aufbau Sieben Lindens notwendig ist engagieren. Wenn sie nicht das erforderliche Kapital mitbringen, können die Anteile evtl. durch „solidarische Anteile“, die andere für sie zeichnen, übernommen werden. Dafür ist jedoch auch nötig, dass diese Menschen zunächst alle Wege ausgeschöpft haben, persönlich, z.B. durch langsames Ansparen oder durch Privatkredite von Freunden oder Verwandten, ihren Anteil zu leisten. Denn uns ist wichtig, dass jede*r bewusst Verantwortung für die materielle Basis Sieben Lindens übernimmt.

Unsere Wachstumsmöglichkeit als Gemeinschaft und Dorf wird nicht nur durch den Platz in unserem Herzen bestimmt, sondern auch ganz konkret durch freien Wohnraum. D.h. wir haben Zuzugsmöglichkeit für Neue, wenn das nächste Wohnhaus fertig gestellt ist (wir bauen etwa ein Wohnhaus pro Jahr) oder wenn uns Menschen wieder verlassen, weil ihr Weg sie weiterführt. Durch den begrenzten Wohnraum müssen sich Probezeitler*innen immer wieder mit diversen Zwischenlösungen zufrieden geben, bis sich was „Festeres“ findet. Die Frage um Wohnraum und Geldverdienmöglichkeiten müssen sich in der Annäherungsphase erst finden, dafür sind der Gemeinschaftskurs und die Pat*innen als Unterstützung gedacht.

Aufnahme in die Genossenschaft

Nach der Probezeit entscheidet die gesamte Bewohner*innenschaft über die Aufnahme in die Genossenschaft. 2/3 der Bewohner*innen müssen bei dieser Abstimmung der Aufnahme zustimmen.

Wenn du dich also mit Zuzugsgedanken trägst empfiehlt es sich, ein Projektinformationsseminar und das Seminar „Sieben Linden intensiv“ mitzumachen, als Entscheidungshilfe für dich selbst und uns die Gelegenheit zu geben, dich etwas mehr kennenzulernen. Das ist dann noch keine Entscheidung über einen Zuzug, sondern „erst mal nur“ eine weitere Annährung. Letztlich entsteht der Weg beim Gehen.

6 Antworten

  1. Gabi Goda sagt:

    Fuer jemamden der nur zwei koffer hat und gerade von zu Hause auszieht ist es relativ einfach mal ein Jahr Probewohnen zu machen, vorausgesetzt er/sie kann das Geld irgendwie beschaffen, das dann ja noch nicht angespart werden konnte.
    Eine Familie oder aeltere Personen koennten die Einlage schon aufbringen
    Verlieren wegen dem einen Jahr aber ihre gesamge Existenzgrundlage: Haus verkaufen, job kuendigen …

    • Liebe Gabi,
      darum ist uns das gegenseitige Kennenlernen sehr wichtig.
      Diese Fragen werden genau angesehen.
      Besonders Familien gegenüber sehen wir die große Verantwortung, dass es nicht zu einem „Schiffbruch“ kommt. Herzliche Grüße *** Jörg ***

  2. Sandra sagt:

    Ich finde Eure Idee und was Ihr dort umgesetzt habt ganz wunderbar aber diese Regeln für einen etwaigen Einzug empfinde ich als erschreckend. Ich stelle mir vor man möchte als Familie an einem Ort ankommen mit dem tiefen Willen gemeinsame Wege zu finden und man investiert Zeit und Hingabe um in einer öffentlichen Abstimmung dann etwaig abgewiesen zu werden. Was für ein tief kränkender Gedanke, was erzählt man seinen Kindern nach der Probezeit? Das hört sich für mich an wie massive Staatsgewalt, etwas aus dem man raus wollte hin zu mehr Freiheit und Toleranz. Einander intensiv kennenlernen, JA! Bereit sein zum Austausch und Ehrlichkeit? Unbedingt! Auch das mit den Hunden finde ich ziemlich krass. Sind Eure Regeln so streng wie es sich (zumindest für mich) hier anhört oder überbewerte ich es? So oder so weiterhin viel Lebensfreude im wirklich interessanten Ökodorf.

    • eva sagt:

      Liebe Sandra,
      das mit der Gestaltung des Zuzugs nach Sieben Linden ist ein heikles Thema und auch eins der Themen, die hier immer wieder heiß diskutiert werden.
      Wobei wir uns einig sind: Gemeinschaft braucht Grenzen und aktive Gestaltung der Frage, wer zu uns stößt, um den Kern der Gemeinschaft zu erhalten. Beliebigkeit im Zuzug würde schnell das zerstören, was Sieben Linden so besonders macht.

      Selbst wenn das nicht so wäre: Irgendwie muss der Zuzug gestaltet werden – schließlich gibt es nur begrenzte Möglichkeiten, hier zu wohnen, und stets weniger Plätze als Menschen, die hierher ziehen möchten. Sollen wir da einfach diejenigen hierher ziehen lassen, die am schnellsten in einen gerade freiwerdenden Platz schlüpfen können? Das wäre sicher keine sinnvolle Alternative für eine Realisierung unserer Vision von einem Dorf.
      Und uns ist bewusst, dass es gerade für Familien schwer ist. Und dass wir, wenn wir Familien in die Probezeit aufnehmen, eine noch stärkere Verantwortung haben, als wenn wir Einzelpersonen in die Probezeit aufnehmen. Denn Familien wieder wegzuschicken ist wirklich kein einfacher Schritt.
      Allerdings klingt es vermutlich in der Theorie heftiger als es in der Praxis meistens ist, denn in den allermeisten Fällen sortiert sich das Ganze in der Probezeit von selber : Wenn die Menschen hierher passen, dann gibt es auch ein „Ja“ für sie, und wenn sie nicht hierher passen, dann gehen sie von selber wieder – oder sind zumindest so am Schwanken, dass das „Nein“ für die Genossenschaftsaufnahme dann für sie auch eine Entscheidungshilfe und kein Drama ist.
      Wegen Hunden: Manchmal ist es besser, klare Regeln zu haben, dass die Menschen von Anfang an wissen, worauf sie sich einlassen, als immer wieder Auseinandersetzungen, was noch okay ist und was nicht.
      Und es gibt sooooo viele Bereiche, in denen wir diese Diskussionen haben – mach Dir keine Sorgen, wir sind kein besonders strenger Haufen, „klar in den Regeln, weich in der Umsetzung“ wird hier immer wieder zitiert (und auch diskutiert). 😉
      Herzlichen Gruß aus Sieben Linden,
      Eva

      • Sandra sagt:

        Liebe Eva, vielen Dank für Deine Zeit und die wirklich ausführliche und offene Erklärung . Ich verstehe Dich/Euch und Deine Gedanken nun etwas besser. Dass es für beide Seiten bedeutsam ist, sich intensiv kennenzulernen ist klar. Das mit den Hunden habe ich durchdacht und finde es nachvollziehbar. Ihr habt die Erfahrung und natürlich muss es Regeln geben. Das Ihr eine verstärkte Sensibilität bei Familien an den Tag legt, spricht nur für Euch. Ich will Euch da auch gar nicht nerven und glaube auch, dass man schon beim Anfangsseminar spürt ob es für beide Seiten passt. Dennoch finde ich wenn man mit Kindern in ein neues Umfeld zieht, sollten die Kinder dort eine Heimat finden. Erwachsene tragen Eigenverantwortung. Die müssen auch damit klar kommen wenn ein Wagnis nicht so ist wie gewünscht. Ein Kind braucht aber immer einen Hafen, denke ich. Aber wahrscheinlich ist es wirklich so wie Du sagst. Meist stellt sich das Gewiss schneller raus als gedacht. So oder so, vielen Dank für Deine Zeit. Sandra

  3. eva sagt:

    Liebe Friederike,
    „das Dorf“ steht eher kritisch zu Hunden. Wir wollen keine Hunde, die hier frei durchs Dorf laufen – und finden’s genausowenig toll, die Hunde ständig einzusperren oder festzubinden. Daher haben bis jetzt nur einige sehr alte und ruhige Hunde es geschafft, mit ihren Besitzer*innen in Sieben Linden anzukommen.
    Auch sind wir ca. 3 Fahrtstunden von Berlin entfernt.
    Herzliche Grüße
    Eva

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