Folge 163: Slow Fashion – Vom Flachsfeld zur Faser

Folge 163: Slow Fashion – Vom Flachsfeld zur Faser

Lisa und Simone zeigen Simone Spindeln

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Was, wenn Kleidung nicht irgendwo in Fernost entsteht, sondern aus Flachs, auf einem Feld nebenan – gezogen, geerntet, gesponnen, gefärbt von hier im Ökodorf? Das ist eine Utopie, die aufkeimt in den Köpfen und mit den Händen von Simone Dehn und Lisa Schubert 

In dieser Folge erzählen sie, wie sie zur Arbeit mit Naturtextilien gekommen sind. Sie nehmen uns mit ins laufende Flachs-Anbauprojekt: Welche Schritte vom Feld bis zum fertigen Faden durchläuft ein Flachsstoff – auch als Leinen bekannt? Was hat sie überrascht – und warum ist Flachs eigentlich so arbeitsintensiv?

Wir reden über mehr als Leinen: Wolle, Pflanzenfärberei, Spinnen – Lisa und Simone sind von allen Naturmaterialen und ihrer Weiterverarbeitung begeistert. Im Zeitalter von Wegwerfmode ist dies ein Schatz, auf den wir vielleicht als Gesellschaft nochmal zurückgreifen werden. 

Naturtextilien sind wirklich anders macht als konventionelle Stoffe: im Anfassen, in der Pflege, im Tragen. Slow Fashion passt zu einem nachhaltigen Lebensstil, der Ressourcen schont und Abfälle minimiert. 

Lust, selbst Hand anzulegen? Jetzt anmelden zur Wollwerkstatt 2027

Vom 16. bis 18. Juli 2027 findet in Sieben Linden die Wollwerkstatt statt – ein Seminar rund um Kardieren, Spinnen und Pflanzenfärben. Ihr lernt, welche Farben in den Färbebeeten des Dorfes wachsen, wie aus roher Wolle ein gesponnener Faden wird – und ihr nehmt am Ende etwas Konkretes mit nach Hause. Flachsverarbeitung steht diesmal nicht auf dem Programm, aber wer nach dieser Folge neugierig auf den Weg vom Rohstoff zum Stoff ist, findet hier einen echten Einstieg:

Oder von zu Hause aus wirken? 

1qm Lein lädt ein: Pflanz Flachs – auf dem Balkon, im Garten, im Gemeinschaftsbeet – und erlebe, wie aus einer Pflanze Leinenstoff wird. 2025 blühte die blaue Blume an 1.000 Orten in ganz Deutschland. Auf Flachsfesten verarbeitet ihr gemeinsam die Ernte zu Fasern. In der Online-Community tauscht ihr Wissen aus und vernetzt euch lokal. Mitmachen, staunen, weiterspinnen. https://1qmlein.de/

Flachs, altes Textilhandwerk und wie es unsere Sprache prägt: 

  • „Das ist aber schäbig“ –> Schäben sind die holzigen Teile vom Flachsstängel. Wenn die Verarbeitung nicht gut ist, bleiben sie an der Faser kleben und kratzen später in der Kleidung –> man hat schäbige Kleidung, die minderwertig ist
  • „Sich die Haare raufen“ –> das Raufen ist das Ernten / Herausziehen der Flachsfaser inklusive Wurzel
  • „Gut betucht“ –> die Braut hatte viele Leinenballen in ihrem Aussteuerschrank. Daher war eine gut betuchte Dame eine reiche Dame.
  • „Herumflachsen“ –> die Flachsverarbeitung war eine gleichförmige und längere Arbeit, die man in Gemeinschaft gemacht hat. Die Art der Arbeiten war bestens für Unterhaltungen geeignet, daher steht der Begriff für „spaßiges Herumreden / Quatsch machen“
  • „Alter Knacker“ –> Männer die nicht mehr gut sehen konnten haben die Haspel gedreht, bei der das Zählwerk knackte. 
  • „Du spinnst ja“ –> früher gab es Spinn- / Arbeitshäuser für Straffällige. Das war dann eine Andeutung, dass man da hingehört.

Slow Fashion – 5 Merkmale

Slow Fashion ist die Gegenbewegung zu „billig, viel, schnell“ – und ein politisches Statement für eine Wirtschaft, die Menschen und Ressourcen respektiert.

1. Bewusste Herstellung Materialien und Produktionswege sind bekannt und nachvollziehbar. Woher kommt die Faser? Wer hat sie verarbeitet? Unter welchen Bedingungen? Slow Fashion verlangt Transparenz – vom Feld bis zum fertigen Stück.

2. Langlebigkeit statt Saison-Denken Kleidung wird nicht für eine Saison gemacht, sondern für Jahre. Qualität schlägt Quantität. Ein gut gemachtes Stück ersetzt zehn billige.

3. Lokale und natürliche Materialien Naturfasern wie Wolle, Flachs, Hanf oder Baumwolle – möglichst regional angebaut und verarbeitet. Keine synthetischen Kurzlebigkeiten, die als Mikroplastik enden.

4. Handwerk & Wissen als Wert Die Zeit, das Können und die Arbeit hinter einem Kleidungsstück werden sichtbar gemacht – und entsprechend entlohnt oder gewürdigt. Wer selbst spinnt, versteht den Preis eines fairen Pullovers.

5. Beziehung zum Objekt Wer Wochen in ein Kleidungsstück investiert, wirft es nicht weg. Slow Fashion verändert das Verhältnis zu Besitz: weniger, aber bedeutsamer. Reparieren statt wegwerfen, weitergeben statt entsorgen.