„Für Menschen arbeiten, die ich gern habe“ – Interview mit unserem Hausmeister Jörg

Als Hausmeister im Ökodorf – was ist hier anders? „Das ist die Herausforderung im Gemeinschaftsleben: Privates und Arbeit werden vermischt,“ sagt Jörg Resas, von Beruf Tischler-Meister, der für uns und unsere Genossenschaft viele alltägliche Dinge am Laufen hält. Und doch liebt er seinen Job und möchte nie mehr wonanders arbeiten.

Diese Fragen stellte Laura Wickert aus der Genossenschafts-Verwaltung unserem Hausmeister Jörg, der überall beherzt Hand anlegt, wo er gebraucht wird:

Laura: Hallo lieber Jörg, wie lange lebst du schon hier? Wo arbeitest du und was sind deine Aufgaben?

Jörg: Ich lebe seit vier Jahren hier und arbeite 22 Stunden pro Woche im „Team Infrastruktur“ der Siedlungsgenossenschaft und kümmere mich um die Versorgung, Instandhaltung und Erhaltung der Infrastruktur, die zum Dorfleben erforderlich ist. Dazu zählen Bereiche wie Sicherheit und Brandschutz, Instandhaltung der Versorgungswege, der Gebäude, der Fäzes-Kompostieranlage und der Grünflächen und Biotope, Kontakt mit den Gästen in Mitarbeitswochen und vieles mehr.

Laura: Und was ist das Besondere an einem Hausmeister im Ökodorf?

Jörg: Die Selbstorganisation und Koordination der verschiedenen Aufgaben und Bereiche und dabei eine optimale Priorisierung festzulegen, die oftmals von vielen Parametern abhängt. Für uns gibt es zum Beispiel andere Zeitpunkte am Teich zu arbeiten als für die Biotope hier im Dorf. Das ist hier im Ökodorf auf jeden Fall anders. Wir stimmen uns oft vorher mit anderen Menschen von jeweiligen Wohnhäusern oder GärtnerInnen ab, wann wir zum Beispiel Äste schneiden, die über Wege ranken. Da ich oft so sichtbar im Dorf durch meine Arbeit bin, bin ich auch oft Ansprechpartner für Gäste, die ich dann weiterleite. Hier zu arbeiten bietet vielseitige Möglichkeiten und gleichzeitig braucht es häufig auch viel Abstimmung.

Laura: Welche Herausforderungen begegnen dir momentan – und wie gehst du damit um?

Jörg: Es ist viel schöner, dass wir zu zweit arbeiten und ich nicht mehr allein bin. Mein Kollege Rolando und ich sind meistens zusammen unterwegs. Dadurch müssen wir zusammen priorisieren, was wir wann zuerst machen und was wir hinten anstellen. Wir versuchen die Schritte gut zu durchdenken und manchmal hätten wir die Schritte doch im Nachhinein gerne anders gemacht – wie das halt so ist. Abgrenzung ist auf jeden Fall ein Thema. Irgendwann wollen wir dann auch Feierabend haben! Doch hier kann es sein, dass du immer angesprochen wirst. Hier macht es für mich einen großen Unterschied, ob ich von Menschen, die von mir was brauchen, Forderungen oder Bitten erhalte. Das merke ich auf jeden Fall. Das ist die Herausforderung in Gemeinschaftsleben – privat und Arbeit werden vermischt. Ich würde nicht mehr woanders arbeiten wollen.

Laura: Und was wünschst du dir für die Zukunft?

Jörg: Organisationsübergreifendes Arbeiten – wenn Bettina (Baufirma aus Sieben Linden: Holz und Stroh GmbH) sagt, ich brauche heute Menschen bei der und der Aktion oder der Wald, dann würden die größeren Aktionen viel schneller gehen. Insgesamt wünsche ich mir mehr „Minga“ (Kräfte bündeln, viele Menschen tun sich zusammen für ein Projekt, für das wenige Menschen ewig brauchen würden) arbeiten, wie z.B. ein Tag haben wir mal alle zusammen und mit vielen Leuten ein Reh aus dem Garten vertrieben. Das stärkt das Wir-Gefühl. Vielleicht lade ich auch mal mehr dazu ein… Ich wünsche mir insgesamt noch mehr Kooperation.

Laura: Was macht dich hier so richtig glücklich?

Jörg: Menschen und Gemeinschaft! Die Flexibilität mit Rolando. Das Arbeiten vor Ort ist ein Geschenk. Es gibt da zwei Seiten in mir: Menschen zu treffen, die ich gern habe und für Menschen zu arbeiten, die ich gern habe. Und ganz wichtig für mich ist auch das Generationsübergreifende und die Kinder hier!

Danke für das Gespräch!