Agroforst

Agroforst

Bäume auf dem Acker für eine klimaresiliente Landwirtschaft

Bäume auf dem Acker? Unbedingt! Agroforst ist ein zukunftsweisender Ansatz in der Landwirtschaft, der Ackerbau mit Gehölzpflanzungen verbindet. Agroforst stärkt die biologische Vielfalt, bindet CO2 und schafft widerstandsfähige Ökosysteme – und das alles steigert langfristig die Ernte. Im Ökodorf Sieben Linden wird Agroforst seit über 20 Jahren praktiziert und weiterentwickelt.

Was ist Agroforst?

Schauen wir auf die Natur: Sie ist vielfältig, Monokulturen gibt es nicht. Agroforst kombiniert landwirtschaftliche Nutzung mit Baum- und Strauchpflanzungen auf derselben Fläche. Zwischen den Gehölzstreifen bleibt ausreichend Platz für die Bearbeitung, je nach Konzept auch mit landwirtschaftlichen Maschinen – Agroforst ist also auch für moderne Betriebe praktikabel.

Die Vorteile

Agroforst kombiniert zahlreiche ökologische mit wirtschaftlichen Vorteilen:

  • CO₂-Bindung: Bäume und Sträucher speichern große Mengen Kohlenstoff. Die Gehölze fördern den Humusaufbau im Boden, wo ebenfalls Kohlenstoff eingelagert wird.
  • Wasserhaushalt: Die Schwammwirkung des Bodens regeneriert sich, Regenwasser kann länger pflanzenverfügbar in der Landschaft gehalten werden.
  • Mikroklima: Trockenheit und Hitze werden abgemildert.
  • Erosionsschutz: Gehölze schützen den Boden vor Wind- und Wassererosion.
  • Biodiversität: Vielfältige Lebensräume für Insekten, Vögel und Bodenorganismen entstehen.
  • Wirtschaftlichkeit: Langfristig steigert sich die Fruchtbarkeit und die Wasserverfügbarkeit der Fläche, es sind höhere landwirtschaftliche Erträge zu erwarten. Zusätzlich können Obst, Nüsse und Brennholz geerntet werden.
  • Regionale Versorgung: Obst und Nüsse aus den Streifen stärken die regionale Lebensmittelversorgung.

Agroforst in Sieben Linden

In Sieben Linden werden seit Jahrzehnten verschiedene Agroforst-Ansätze umgesetzt:

  • Gemüsegärtnerei mit Gehölzstreifen: Viele Baum- und Heckenreihen durchziehen die Gemüsepflanzungen, die gesamte Gärtnerei ist von Heckenstrukturen umfasst.
  • Waldrandgarten: Im Norden des Geländes integriert dieser Bereich in noch größerer Dichte Gehölze und Nutzpflanzen.
  • Dynamischer Agroforst: Kleine Pilotflächen bieten besonders große Vielfalt auf kleinster Fläche und dienen als Demonstrationsflächen.
  • Streuobstwiese: Eine ehemalige Brachfläche haben wir in ein vielfältiges Biotop verwandelt, in dem Obstbäume, Sträucher und Stauden zusammen gedeihen.

Unser Nordacker: Modellprojekt für modernen Agroforst

Das größte Agroforst-Projekt in Sieben Linden findet auf einer 17 Hektar großen Ackerfläche statt. Obwohl der Nordacker nach Bio-Standards bewirtschaftet wurde, bot er als großes Getreidefeld natürlich kaum Artenvielfalt. Darüber hinaus hatte er eine geringe Bodenfruchtbarkeit und starke Erosionsprobleme.

“Auf dem Nordacker haben wir mit unserem Team in ungezählten Stunden ehrenamtlicher Arbeit eine Modellfläche für Agroforst anlegen können. Nun stehen dort (Anzahl) Bäume und die Natur verbindet sich mit der Landwirtschaft. Für mich gibt es in dieser Zeit nichts Sinnvolleres als Bäume pflanzen.” Thomas Aillerie

Seit 2020 wurden 6 Streifen im Gesamtumfang von fast einem halben Hektar aus der direkten Anbau-Nutzung herausgenommen und mit Baumstreifen bepflanzt. Insgesamt stehen dort nun 100 Bäume: 60 heimische Obstbäume (Apfel, Pflaume, Birne, Walnuss) und 40 weitere Bäume wie Holzbirne, Salweide und Eberesche. Die Baumstreifen stehen in einem Abstand von 30 Metern, sodass landwirtschaftliche Geräte weiterhin den Boden bestellen können.

Verschiedene Ansätze auf einem Acker

Klassisches Alley-Cropping: Einfache Baumreihen mit freier Entwicklung der Umgebung.
Dynamischer Agroforst: Baumpflanzungen werden mit Begleitbäumen, Sträuchern und Stauden kombiniert.
Kurzumtriebsplantagen: Schnellwachsende Bäume, die nach 10 Jahren für die Brennholzversorgung genutzt werden können.

Politische Wirksamkeit

Sieben Linden leistet nicht nur praktische Pionierarbeit, sondern engagiert sich auch für die Verbreitung von Agroforst durch Bildung, Vernetzung und politische Arbeit.

Im Mai 2024 besuchte Sven Schulze, der Minister für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt, das Ökodorf. Expert:innen aus der Region präsentierten Vorschläge, wie das Land Agroforst besser fördern könnte

Seit Anfang 2025 gibt es das Agroforst-Impulsbüro Altmark, das auf Initiative des Ökodorfes entstand. Es wird vom Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) getragen. Landwirt:innen in der Region erhalten Unterstützung bei der Planung und Umsetzung von Agroforst-Systemen.

Sei Teil der Vision

Agroforst ist keine Utopie, sondern real, lebendig und essbar. Du kannst Teil davon werden in dem du das Agroforst-Projekt in Sieben Linden und die Verbreitung der Idee unterstütz:

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Weiterführende Artikel und Podcasts

Möchtest du noch tiefer in das Thema Agroforst einsteigen? Diese Artikel geben dir weitere Einblicke in die Entwicklung und das Engagement rund um Agroforst in Sieben Linden und der Region:

  • Agroforst-Impulsbüro Altmark wird aktiv! – Über die Gründung des regionalen Impulsbüros und die erste Modellfläche auf dem Biohof Ritzleben.
  • Agroforst jetzt! Herr Landwirtschaftsminister! – Bericht über den Besuch des Landwirtschaftsministers und die politischen Forderungen der Agroforst-Bewegung.
  • Sein Herz schlägt für Agroforst. Interview mit Daniel Fischer – Ein persönliches Porträt des Agroforst-Experten und seiner internationalen Erfahrungen.
  • Agroforst: Mit voller Kraft voraus! – Über die hauptamtliche Agroforst-Pilotstelle und die Vernetzung mit Wissenschaft und Praxis.

FAQs

1. Was genau ist Agroforst? Agroforst kombiniert Landwirtschaft mit Gehölzpflanzungen auf derselben Fläche. Zwischen den Baum- und Strauchstreifen wird weiterhin Ackerbau oder Gemüseanbau betrieben – auch mit Maschinen. So entsteht ein vielfältiges, klimaresilientes System, das Natur und Nutzung verbindet.

2. Welche Vorteile bringt Agroforst konkret? Agroforst bindet CO₂, verbessert den Wasserhaushalt, schützt vor Erosion und schafft Lebensräume für Insekten und Vögel. Langfristig steigen die Erträge, weil der Boden fruchtbarer wird. Zusätzlich können Obst, Nüsse und Brennholz geerntet werden.

3. Funktioniert Agroforst auch mit modernen Landmaschinen? Ja! Die Gehölzstreifen werden so angelegt, dass ausreichend Platz für Traktoren und andere Maschinen bleibt. Auf dem Nordacker in Sieben Linden stehen die Baumstreifen beispielsweise 30 Meter auseinander – genug Raum für konventionelle Bewirtschaftung.

4. Wie lange dauert es, bis Agroforst-Systeme Erträge bringen? Die ersten Jahre dienen dem Aufbau. Obstbäume tragen je nach Sorte ab dem 3.-7. Jahr Früchte, Nussbäume später. Kurzumtriebsplantagen liefern bereits nach 10 Jahren Brennholz. Die positiven Effekte auf Boden, Mikroklima und Biodiversität sind aber schon früher spürbar.

5. Kann ich Agroforst in Sieben Linden selbst kennenlernen? Ja! Bei Seminaren, Führungen und Mitarbeitswochen kannst du verschiedene Agroforst-Systeme besichtigen und mithelfen. Das Ökodorf bietet praktische Einblicke in über 20 Jahre Erfahrung mit Agroforst.

6. Wie kann ich das Agroforst-Projekt unterstützen? Du kannst an Seminaren oder Mitarbeitswochen teilnehmen, deinen CO2-Fußabdruck über das Projekt „Baumstreifen“ im Rahmen des BUND-Klimabonus kompensieren oder dich beim Agroforst-Impulsbüro Altmark informieren und vernetzen.