Eine Begegnung: Ökodorf Farkha in Palästina / Westbank
Ende Februar 2026 treffen sich verschiedene Gemeinschaften aus Deutschland und Interessierte in einer Videokonferenz mit Abdul. Auch drei Menschen aus Sieben Linden waren dabei. Während wir sicher und warm in unseren europäischen Projekten sitzen und in die Kameras schauen, sieht die Realität in Farkha ganz anders aus. Die Nachrichten, die uns seit dem Call aus der Region erreichen sind zunehmend beunruhigend.
Einander unterstützen – von Herzen, nicht durch Regelungen
„Die Menschen in Farkha helfen sich von Herzen, nicht durch Regeln, das ist die traditionelle palästinensische Art“, erklärt Abdul. Eine engagierte Gruppe sorgt dafür, dass die 1800-köpfige Dorfgemeinschaft unabhängiger in der Lebensmittel- und Gesundheitsversorgung wird. Farkha ist kein intentionaler Ort im üblichen Sinne, sondern ein Dorf, das seit vielen Jahren neue und doch vertraute Wege beschreitet. Es gibt Arbeitsgruppen für ökologische Landwirtschaft, medizinische Versorgung sowie Jugend- und Bauprojekte. Regelmäßig werden Verschönerungsaktionen organisiert, an denen alle Bewohner:innen teilnehmen können. Farkha ist für sein hohes Maß an Freiwilligenarbeit bekannt und empfängt seit 30 Jahren internationale Freiwillige. Ermöglicht wurde dies, durch eine kleine Gruppe, die voranschritt und immer wieder das tat, was das Dorf brauchte. Nach und nach gewann die Gemeinschaft Vertrauen und die kommunistischen und ökologischen Ideen trafen auf Nährboden.
Die Zeiten haben sich geändert
Abdul berichtet von der traurigen Realität: Die internationalen Workcamps gehören derzeit der Vergangenheit an. Es gibt zunehmende Repression und die lokale Wirtschaft ist eingebrochen. Vielen Palästinenser:innen wurden ihre Jobs in Palästina ’48 gekündigt (palästinensische Bezeichnung von den besetzen Gebiete des Siedlerkolonialstaates „Israel“). Oder sie können aufgrund willkürlicher Gewalt und gesperrter Kontrollpunkte nicht mehr außerhalb arbeiten. Die Abhängigkeit von Selbstversorgung wächst auch deshalb, und das Wiederaufleben der Landwirtschaft führt nicht nur aus der Not heraus zurück zu den Wurzeln. Es startete mit der Idee des Kernteams, dass die Vorgärten wieder bewirtschaftet werden sollten. Sie gingen zunächst zu 70 Familien und sprachen mit ihnen, um zu schauen, ob diese Idee Anklang finden würde und was die Familien zum Umsetzen bräuchten. Farkha unterstützt nun die Menschen beim Saatguterhalt, bildet Frauen in ökologischer Landwirtschaft aus und der Austausch von Ernten, organisiert sich von selbst.
Übergriffe von israelischen Siedler:innen
Farkha und andere Dörfer im Westjordanland erleben immer wieder Übergriffe von israelischen Siedler:innen, die illegal in palästinensischem Gebiet siedeln. Die israelische Armee und Politik unterstützen diese Besetzungen.
Bauern werden bei der Arbeit belästigt und manchmal sogar erschossen, wie Abdul berichtet. Daher organisieren sie sich, um zumindest gemeinsam auf die Felder zu gehen. Ein Großteil des Landbesitzes von Farkha – 70% – wurde enteignet, inklusive eines Brunnens, der früher 30% der lokalen Wasserversorgung sicherte. Diese Quelle speist nun unter anderem einen Swimmingpool für die Besatzer. Es ist spürbar, dass Abdul unter dem Gewicht dieser Ungerechtigkeiten leidet, während er uns die existenziellen Folgen schildert.
Hoffnung kreieren mitten im Kollaps
Tabea moderiert das Treffen und lädt die Teilnehmenden mehrfach zum gemeinsamen Innehalten ein. Der Chat zeigt, wie berührt alle sind. Trotz der erschütternden Lage strahlt unser Gesprächspartner Zuversicht aus:
„Palästinenser:innen hoffen nicht, wir schaffen Hoffnung. In Zeiten des Kollapses schweißt uns das zusammen. Wir versuchen zu lachen und Momente von Gemeinschaft zu schaffen, die uns nährt.“ Abdul aus Farkha
Solidarität mit Farkha und seinen gastfreundlichen Bewohner:innen
Am Ende des Calls überlegen wir, wie wir diesen liebenswerten und gefährdeten Ort in der Westbank unterstützen können. Eine Kooperation mit einer kommunistischen Initiative in Australien ermöglicht momentan den Bau eines Kulturzentrums für Kinder im Dorf. Hintergrund: Sie bezeichnen sich selbst als kommunistisch orientiertes Ökodorf und haben Verbindung zu und Unterstützung von einer kommunistischen Gruppierung oder Partei in Australien.
Als wir erfahren, dass Farkha aktuell vier aus Gaza vertriebene Familien beherbergt, trotz finanzieller Knappheit, steigt unser Wunsch zu helfen noch mehr.
Die Dorfgemeinschaft in Farkha freut sich über Besuche und Mitarbeit von Freiwilligen (was in der aktuellen Situation schwierig ist). Finanzielle Hilfe ist derzeit dringend – und es ist auch unterstützend, diese Geschichte eines Ökodorfes unter Besatzung zu teilen.
Kontakt und Infos
Ihr könnt mit Tabea (aus der Gemeinschaft Fuchsmühle) Kontakt aufnehmen, um an das Ökodorf Farkha zu spenden und auch über das Za’atar die politische Arbeit unterstützen, die eine von vielen traurigen Geschichten über die Gewalt an Palästinenser*innen erzählt.
Tabea: www.Empathyforpeace.de, tabea.t@posteo.de
Abdul auf Instagram: https://www.instagram.com/latif_damdoum/
ARD-Doku Ein palästinensisches Dorf kämpft um seine Zukunft
Hier ein aktueller Artikel: Farkha: Eine ökosozialistische Perspektive im besetzen Westjordanland
Das Freiwilligen-Projekt zur Restaurierung des historischen Dorfkerns, das aufgrund der angespannten Situation derzeit ruhen muss: https://collectiveduty.wixsite.com/farkha revivefarkha@gmail.com
Es scheint aber für 2026 einen neuen Anlauf zu geben, ein Freiwilligen-Festival durchzuführen: https://sozialismus.ch/international/2026/palaestina-29-farkha-festival-2026/
Autor:innen-Team Simone Britsch, Tabea und andere
Hinweis: Dieser Beitrag repräsentiert nicht (unbedingt) die Meinung aller Bewohner:innen des Ökodorfes Sieben Lindens und des Vereins Freundeskreis Ökodorf e.V..