Folge 157: KI, Nachhaltigkeit und das Leben
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Folge 157: KI, Nachhaltigkeit und das Leben
Was Maschinen können, was sie kosten und wann wir lieber selbst denken.
Künstliche Intelligenz ist plötzlich überall – auch wir im Ökodorf sind damit konfrontiert. Passt eine Technologie, die in riesigen Rechenzentren läuft, überhaupt zu einem Leben, das sich an Nachhaltigkeit orientiert? In dieser Folge nehmen wir uns Zeit für die Fragen, die viele haben. Was ist KI wirklich – und was kann sie nicht? Denkt die Maschine, wenn wir mit ihr „sprechen“? Und woher kommt eigentlich das ganze Wissen?
Unser technikaffiner Geschäftsführer Jens Steger und „KI-Nerd“ Falk Hantschmann schauen genau hin, wo es für uns im Ökodorf besonders zählt:
- Ökologie: Wie viel Energie verbraucht KI tatsächlich – und gibt es „grünere“ Wege, sie zu nutzen?
- Datenschutz: Wohin gehen meine Eingaben, wer kann sie sehen, und was sollte ich niemals eintippen?
- Praxis: Konkrete Tipps für alle, die KI ausprobieren wollen
Ein ehrliches Gespräch zwischen Begeisterung und Skepsis – für alle, die KI verstehen wollen, bevor sie sie verurteilen oder feiern. Auch für die, die das Thema bisher bewusst gemieden haben.
Hört rein – und macht euch euer eigenes Bild.
Hier das Transkript unseres Interviews zum Nachlesen…
Transkript (bereinigt) | Sprecher: Simone Britsch, Jens Steger, Falk Hanschmann
SIMONE Hallo, herzlich willkommen. Ökodorf-Podcast aus 7linden, Folge 157.
Die künstliche Intelligenz ist ja plötzlich überall. Auch wir hier im Ökodorf sind damit konfrontiert. Aber passt eigentlich eine Technologie, die in riesigen Rechenzentren läuft, überhaupt zu einem Leben wie unserem, das sich so an Nachhaltigkeit orientieren möchte? In dieser Folge stellen wir die Fragen, die viele haben: Was ist KI wirklich und was kann sie nicht? Denkt die Maschine, wenn wir mit ihr sprechen?
Unser Geschäftsführer Jens Steger und ein Experte, den wir eingeladen haben: Falk Hanschmann. Die beiden schauen genauer hin.
Wie viel Energie verbraucht KI, wohin gehen meine Daten? Wo hilft es mir im Alltag wirklich? Es ist ein ehrliches Gespräch zwischen Begeisterung und Skepsis.
Ich habe mich über manches ein bisschen gewundert, aber auch mit offenen Ohren zugehört. Hört gern rein und macht euch euer eigenes Bild.
Mein Name ist Simone Britsch. In unserem Ökodorf leben 150 Menschen seit 25 Jahren nachhaltig und gemeinschaftlich zusammen. Lass dich von Sieben Linden inspirieren. Besuche gern unsere Seminare vor Ort oder in der digitalen Webinar-Welt.
Hallo Falk, toll, dass du angereist bist. Hallo Jens.
FALK Hallo, herzlich willkommen.
JENS Ja, hi Simone!
SIMONE Freut mich total, mit euch heute über KI zu reden. Für mich selber ist das ein ziemliches UFO in meinem Leben. Wir fangen jetzt mal super basic an: Was ist denn KI? Könnt ihr das mal in drei Sätzen erklären?
JENS Ergänzt mich gerne, wenn ich mich da falsch ausdrücke. Ich habe auch noch mal ein bisschen recherchiert, auch KI-unterstützt, und versucht, das so einfach wie möglich zu fassen. Es ist im Prinzip eine Software, die mit Unmengen an Daten trainiert wurde und in der Lage ist, Sprache zu generieren, Text zu generieren, Bilder zu generieren. Und das Ganze basiert im Prinzip auf Mathematik.
FALK Ja genau, es ist ein Large Language Model – so heißt das im Hintergrund – also ein Sprachmodell, das im Hintergrund läuft und mit Algorithmen versehen ist, um auf eine entsprechende Anfrage eine entsprechende Ausgabe zu geben. Der Vorteil ist, dass wir ein großes Datennetz dahinter haben. Und verschiedene KIs haben sich daraus bereits entwickelt.
SIMONE Falk, du bist ja nun extra angereist, um uns hier im Ökodorf zu erklären, wie wir mit KI am besten umgehen sollten. Was würdest du sagen? Warum sollten wir uns damit beschäftigen – oder warum sollte man diesen Podcast doch zu Ende hören und nicht einfach abschalten und in den Garten gehen?
FALK Nö. Weil KI eine sehr besondere Entwicklung in der Geschichte der Menschheit darstellt. Es ist ein großer Fortschritt, den wir als Menschheit machen. Und man sollte davor auch ein bisschen die Angst verlieren. Momentan ist die KI noch sehr verrufen, oder es herrscht große Angst davor. Aber solange wir sie als Werkzeug nutzen und sagen, dass es unser Werkzeug ist, womit wir handeln, ist das eine sehr nützliche Unterstützung im Alltag – man bekommt quasi einen Profi an die Seite gestellt, den man sonst eventuell hätte bezahlen müssen, um Energiekosten zu berechnen oder einzusparen. Es ist quasi ein sehr guter, sehr naher Sparring-Partner.
SIMONE Jens, ist das auch deine Einordnung oder beschäftigst du dich vor allem damit, weil du unser Geschäftsführer bist und das einfach musst?
JENS Nee, ich habe da ein persönliches Interesse dran. Ich bin derselben Meinung, dass es wirklich ein Quantensprung ist. Viele sprechen von der nächsten industriellen Revolution – das wird die Arbeitswelt komplett verändern. Ich sehe es ähnlich, aber vielleicht ein bisschen kritischer: Das ist ein sehr, sehr mächtiges Werkzeug und der Umgang damit muss geschult werden. Natürlich müssen wir auch bestimmte Aspekte im Auge behalten – Energieverbrauch, wer stellt die KI bereit, wer hat die Datenhoheit, wo kommen die Daten her. Das spielt alles eine große Rolle, und da ist Aufklärung total wichtig. Und zur Aufklärung gehört auch, dass man die Technologie benutzt und sich damit auseinandersetzt, damit sie kein Schreckgespenst bleibt.
SIMONE Im Ökodorf sind wir nicht direkt technikfeindlich, aber sehr technikbewusst und setzen uns kritisch mit allen Neuerungen auseinander. Deswegen bin ich dankbar, dass wir uns heute ein bisschen vertiefen können. Und bevor wir darüber reden, was KI alles so kann: Was kann KI eigentlich nicht?
JENS Was kann KI nicht – oder besser: noch nicht? KI hat meiner Meinung nach kein Bewusstsein, das wird von vielen schon unterstellt. KI fühlt nicht. KI kann auch nur unter ganz bestimmten Umständen out of the box Dinge tun. Das stimmt meistens. Manchmal ergeben sich aber auch Dinge aus neuronalen Netzen oder aus diesen Large Language Models, die nicht explizit trainiert wurden – zum Beispiel lernen sie plötzlich Sprachen, die nicht explizit trainiert wurden, weil Sprachen ähnliche Muster über verschiedene menschliche Sprachen hinweg haben. Derzeit ist es noch relativ eingeschränkt. Es geht im Kern um Mustererkennung: Alles, was Muster hat und Mustererkennung braucht, da kann KI etwas leisten. Alles andere ist oft eine Unterstellung und eine Vermenschlichung von Technologie.
FALK Ich studiere noch nebenbei Soziologie. Gerade die subjektive Wahrnehmung, Mimik, Gestik – wenn man Umfragen auswertet, wie ein Mensch reagiert hat – das sind Feinheiten, die ein Mensch besser wahrnehmen und festhalten muss, um eine entsprechende Auswertung für ein Forschungsdesign zu bekommen. Dafür ist es sehr wichtig, dass wir die Hoheit behalten. KI ist ein Werkzeug, das wir gebrauchen können, aber echte menschliche Wahrnehmung kann sie nicht leisten. Und was ein eigenes Bewusstsein betrifft: Da sind wir zum Glück noch nicht dran. Menschliche Handlungen kann die KI zum Glück noch nicht nachahmen. Das wird auch sehr schwer werden, weil gerade die Wahrnehmung und das, was zwischen den Wörtern passiert, die KI auch mit dem besten Algorithmus in naher Zukunft nicht bewerkstelligen kann.
SIMONE Wir bleiben auf jeden Fall menschlich und unersetzlich in unserem Menschsein, in unserer Einzigartigkeit. Das finde ich eine ermutigende Botschaft.
FALK Das ist ja das, was ich am Anfang sagte: Wir müssen die KI ein bisschen entzaubern. Sie ist momentan sehr gehypt und der Respekt davor ist groß – das ist vernünftig. Es ist genauso wie damals mit der Einführung von Google: Welche Daten gebe ich preis? Aber wir stehen immer noch über der KI und werden das auch weiterhin tun – davon bin ich fest überzeugt. Und wir sind immer diejenigen, die im Endeffekt etwas rausschicken.
JENS Wenn du ‚wir‘ sagst, sprichst du einen Kritikpunkt an, der bisher noch nicht genannt wurde. Du sagst, wir als Menschen haben die Hoheit darüber – aber die Technologie wird größtenteils im privaten Sektor in den USA entwickelt, jetzt auch zunehmend in China. Wie ist da die demokratische Kontrolle? Wer füttert die Daten, wo kommen die Daten her? Das Thema Urheberrecht zum Beispiel. Ich bin mir da nicht so sicher, ob wir tatsächlich die Hoheit darüber haben. Und der Mensch neigt dazu, zu viel in diese Technologie reinzuinterpretieren. In den USA gibt es zum Beispiel schon Fälle, wo Menschen abhängig werden von KI oder ihr mehr vertrauen als ihren Freunden. Weil da scheinbar ein Gegenüber ist – der Mensch möchte überall Muster erkennen. Wenn man Wolken anschaut, sieht man Gesichter und Tiere. Und genauso sieht man in der KI ein Gegenüber. Das ist schon gefährlich.
FALK Das sehe ich vollkommen genauso. Eine Abhängigkeit von KI aufzubauen geht relativ schnell, weil man schnell in einer Bubble landen kann. Wenn man bestimmte Prompts stellt, kann man manchmal auch eine gewünschte Antwort erzwingen, weil der Algorithmus dahinter das entsprechend ausliest. Und das mit dem Datenschutz ist sowieso eine ganz interessante Sache. Da haben wir in Europa leider wieder mal den Anschluss ein bisschen verpasst. Wir geben unsere Daten leider an Amerika ab – die größten KI-Modelle sind momentan alle in Amerika angesiedelt, bis auf DeepSeek. Auch das Argument ‚uns gehören die Daten‘ lässt sich kaum aufrechterhalten. Man sieht das gerade an Claude – einem sehr tollen Werkzeug, einer sehr tollen KI.
SIMONE Nehmt mich mit: Wer oder was ist Claude?
FALK Claude ist ein KI-Modell, das vor zwei, drei Jahren auf den europäischen Markt kam. Es ist ein Unternehmen, das von ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern gegründet wurde. Sie haben einen so mächtigen Algorithmus entwickelt, dass es – gerade fürs Programmieren und komplexe Aufgaben – momentan mit Abstand eines der besten KI-Modelle ist. Neben ChatGPT gibt es ja noch Gemini und andere – aber von den Large Language Models ist Claude ein sehr, sehr mächtiges Werkzeug mit sehr guten Ausgaben. Und beim Datenschutz ist das sehr, sehr schwierig.
[Anm.: Die ursprüngliche Aussage enthielt sachliche Ungenauigkeiten: Anthropic wurde von ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern gegründet, nicht von ‚Mitgründern von ChatGPT‘ und nicht von Apple.]
SIMONE Woher hat die KI ihr Wissen? Was meinen wir damit, wenn wir sagen, jemand hat die KI trainiert?
JENS Das ist Teil einer großen Debatte. Die KI hat das Wissen von frei zugänglichen Quellen im Internet. Alles, was du im Internet lesen kannst, wurde gescrapt – das heißt, kleine Programme wurden losgeschickt, die das gesamte Internet sozusagen abgefischt und ausgelesen haben und als Trainingsdaten diesen Modellen zur Verfügung gestellt haben. Zum Beispiel gibt es ganz große Foren, wo Programmierprobleme gelöst wurden – und das Wissen dieser Modelle kommt zu einem großen Teil aus diesen Foren. Es ist alles das Werk menschlicher Arbeit, menschlicher Intelligenz, Wissen und Erfahrung. Das ist im Prinzip zu großen Teilen Urheberrechtsverletzung, würde ich sagen. Da sind wahrscheinlich auch die ganzen alten Klassiker drin, die frei zugänglich im Internet verfügbar sind – Projekt Gutenberg zum Beispiel. Mittlerweile kommen die Daten natürlich auch aus den Chat-Fenstern, in denen die Menschen unterwegs sind – die Modelle trainieren sich weiter, indem die Nutzer die Antworten bewerten.
FALK Da habe ich eigentlich nicht viel zu ergänzen. Es ist manchmal sehr skurril, wo die Daten herkommen und wie sich die Modelle weiterentwickeln. Da steht ja alles in den AGBs – in den 4.000 Seiten, die man sich durchlesen müsste, die man von Grund auf akzeptiert. Mit jedem Prompt, den wir geben, trainieren wir mit. Wir füttern die KI leider selber mit, indem wir Daten hochladen – Studienbriefe, Bücher, Essays – was rein rechtlich auch nicht erlaubt ist, weil wir damit eine Urheberrechtsverletzung begehen.
SIMONE Jetzt mal ganz konkret: Welche Daten sollte ich niemals in eine öffentliche KI eingeben?
FALK Ganz grob: Sobald ich im Berufskontext bin, sollten keine personenbezogenen Daten drin sein. Keine Anschriften, keine Patientendaten, keine Firmendaten – Namen, Prozesse, interne Abläufe. Das alles wird quasi öffentlich gemacht, auch wenn man es im ersten Moment nicht sieht. Im privaten Bereich sollte man sehr vorsichtig sein, was man hochlädt. Sobald man im Firmenkontext ist: möglichst anonymisieren, Namen rausstreichen und sämtliche Bezüge zu personenbezogenen Daten aus den Dokumenten entfernen.
SIMONE Jens, wie habt ihr das für Sieben Linden gelöst?
JENS Es ist nicht so einfach, mit europäischen KI-Lösungen zu arbeiten. Es gibt Mistral aus Frankreich – das ist das Einzige, was noch halbwegs kompetitiv ist mit den großen US-Modellen. Wir haben es so gemacht, dass wir einen Proxy haben – eine vorgeschaltete Oberfläche, die die Anfragen anonymisiert und dann weitergibt an Modelle, die in Europa gehostet sind. Das sind dann die großen Modelle von OpenAI oder Anthropic – also ChatGPT oder Claude –, die aber nicht in den USA laufen, sondern in der Europäischen Union. Mit dieser Firma haben wir zusätzlich einen Vertrag geschlossen, dass die Daten nicht weitergereicht werden. Man muss da aber sehr genau lesen, was tatsächlich übergeben wird. Wir hatten auch in der Vergangenheit mit anderen US-Technologien das Problem, dass es auf dem Papier garantiert wird, das Papier aber nicht das wert ist, worauf es geschrieben ist, weil die Daten trotzdem zum großen Teil abfließen.
SIMONE Also: Wir haben eine eigene Oberfläche, die dann eine Verknüpfungsstelle zur großen KI-Ebene hat, und dazwischen ist ein Sicherheitssystem eingebaut?
JENS Genau. Zumindest scheinbar. Uns wird vertraglich garantiert, dass unsere Daten nicht für das Training benutzt werden. Und was für mich der große Sicherheitsaspekt ist: Die Modelle, die wir nutzen, laufen in Europa – in europäischen Rechenzentren, teilweise bei der Deutschen Telekom, teilweise bei Amazon, die ihre Serverfarmen in Europa haben. Wie bei allen Verträgen ist das auch immer ein bisschen eine Vertrauenssache. Wenn man diese Technologie auf diesem Level benutzen möchte, hat man wenig Möglichkeiten – und das ist meiner Meinung nach die beste Lösung, die es gibt.
SIMONE Wenn mich das interessiert – wie komme ich da dran oder ist das gar nichts für Privatleute?
JENS Es gibt verschiedene Dienste, die man auch privat buchen kann. Auch die amerikanischen Anbieter garantieren in der Bezahlvariante, dass die Daten nicht für Trainingszwecke genutzt werden. Das muss man dann selber entscheiden und auch seinem Bauchgefühl vertrauen. Ich würde sagen: Man sollte dafür bezahlen, wenn man es in einem größeren Maße nutzen möchte. Was ich noch für das zugänglichste Tool halte, ist DuckAI – das ist von DuckDuckGo, das kennen viele als Suchmaschine. Die versprechen, dass die Daten nicht weitergegeben werden. Da hätte ich schon Vertrauen rein.
SIMONE Was würdest du Privatmenschen raten, Falk? Wie kann man eine möglichst sichere KI-Variante wählen?
FALK Absichern kann man sich durch entsprechende Bezahlung. Es gibt aber eine wirklich sichere Variante: Ollama. Damit arbeite ich relativ viel. Dabei lädt man die Large Language Models auf den eigenen Rechner herunter und kann dann lokal arbeiten – Schreiben erstellen, programmieren und so weiter. Das verlässt den lokalen Rechner nicht. Man kann das Netzwerkkabel rausziehen und die Anfragen trotzdem stellen.
SIMONE Ollama – gut, das werden wir auch posten.
FALK Könnt ihr gerne posten. Das Problem ist: Ollama ist nicht intuitiv. Und das ist ja der große Vorteil aller anderen KI-Modelle – man hat mit Google diese einfache Eingabezeile eingeführt, und das hat sich bei allen KI-Modellen durchgesetzt: sehr intuitiv, sehr einfach. Das ist Ollama leider nicht. Auch die Anforderungen an die Hardware sind relativ hoch – man braucht viel Grafikkartenspeicher und einen großen RAM. Das ist unter anderem einer der Gründe, warum die Grafikkartenpreise in den letzten Jahren so explodiert sind. Und man muss sich gut einlesen, um das auf dem eigenen Rechner zu betreiben.
JENS Da möchte ich noch ergänzen: Es gibt mittlerweile relativ intuitive Lösungen dafür. Aber der Fallstrick ist, dass man starke Hardware braucht – der Rechner muss schnell sein, viel RAM haben, eine große Grafikkarte. Man sollte sich darauf einstellen, dass die Modelle vielleicht langsamer laufen und nicht so leistungsstark sind. Es gibt dazu auch einen Podcast mit Rainer hier aus dem Ökodorf – den kann man sich mal anhören. Der hat einen eigenen Server aufgesetzt und spielt da ziemlich viel rum. Er kann schon sehr viel damit machen, aber das setzt echtes Expertenwissen voraus.
SIMONE Bei der Anwendung – geht es für euch auch darum, KI so wenig wie möglich zu benutzen, also wirklich genau überlegen, welche Anfragen man stellt? Falk ist ja ein sehr begeisterter Nutzer. Wie siehst du’s, Jens?
JENS Du hast gesagt ‚einfach googeln‘ – die Google-Suche gibt es in der Form eigentlich nicht mehr, weil Google die Suche mittlerweile durch einen KI-Chat ersetzt hat. Das ist der Zeitgeist, dahin geht es. Das ist so wie mit allem: Man gibt im Zweifel Kompetenzen ab, verlernt auch Dinge. Eine schöne Handschrift zum Beispiel kann ich gar nicht mehr. Karten lesen, Telefonnummern memorieren und so weiter. Je mehr ich der KI gebe, desto mehr schmälere ich meine eigenen Kompetenzen. Und gerade wenn man an Umweltschutz denkt, sollte man das sehr gezielt einsetzen. Es gibt mit Sicherheit gute Anwendungsszenarien, aber auch viele Fälle, wo man herkömmlichere Techniken nutzen sollte. Wenn es um eine einfache Internetrecherche geht, ist eine normale Suchmaschine bestimmt das bessere Mittel.
SIMONE Benutzt du KI überall, Falk? Du bist ja jetzt so ein großer Fan.
FALK Tatsächlich ja, ich benutze KI sehr viel, in fast allen Alltagssituationen. Sei es Kochen, sei es den Kühlschrank abfotografieren, um zu schauen, was ich mir damit kochen kann.
SIMONE Warte mal – du fotografierst deinen Kühlschrank und lässt die KI überlegen, was du dir daraus kochen könntest?
FALK Genau, sehr gute Idee. Das ist alles möglich – und das ist das, warum ich davon so begeistert bin. Wenn ich keine Idee habe, fotografiere ich einfach mein Vorratsregal oder meinen Kühlschrank und bekomme sehr schnell sehr gute Rezeptvorschläge. Kochen kann die KI leider noch nicht – das wäre dann der nächste Schritt. Und auch die Anzahl an Prompts: Wenn ich das Erste nehmen würde, was die KI mir ausspuckt, ist es Müll. Anders kann man das nicht sagen. Es ist nicht so wie bei Google – ich muss es mir erarbeiten.
SIMONE Also: Wenn du einfach einmal die KI fragst, bist du mit dem Ergebnis noch nicht zufrieden?
FALK Noch lange nicht. Wenn ich etwas schreibe – privat, für die Uni oder beruflich – kann es sein, dass ich für einen Satz bis zu 20 oder 30 Mal hin und her schreibe, bis der richtige Terminus drin ist, bis die Wortfolge passt, bis es menschlich klingt. Das ist sehr wichtig, weil KI leider manchmal sehr viel halluziniert. Und das ist etwas, was ich im Unterricht mitbekomme: KI-Prompting muss gelernt werden. Früher mussten wir googeln lernen – möglichst kleine Anfragen. Bei KI ist es umgekehrt: Wir müssen von Anfang an sehr viel mitgeben. Wenn ich ein Projekt habe, schreibe ich ganz am Anfang ein sogenanntes Master-Prompt – das kann zwei, drei, vier Seiten lang sein –, damit ich das richtige Setting bekomme. Man kann KI so nutzen, dass man einfach die erste Antwort nimmt – dann hat man nichts gelernt. Das vergleiche ich so: Ich bin Jahrgang 89. Als ich in den 2000ern zur Schule gegangen bin, gab es diejenigen, die sich einen Wikipedia-Eintrag ausgedruckt und vorgetragen haben – die haben nichts gelernt. Und es gab diejenigen, die mit dem Eintrag gearbeitet haben. Genauso sollten wir mit KI umgehen: als Sparring-Partner, als Werkzeug.
SIMONE Jens, kannst du mir das auch so einstellen? Bei unserer KI lobt sie mich immer so komisch – das nervt mich.
JENS Kann ich machen. Ich habe solche Systemprompts auch schon geschrieben für die Spezialanwendungen, die wir benutzen – zum Beispiel: Bring das in eine korrekte Form, gib mir das richtige Ausgabeformat und stell sicher, dass die und die Sachen drin sind und bestimmte stilistische Mittel nicht. Da kommen schon ein paar Seiten zusammen, und allein die Erarbeitung dieses Prompts ist schon aufwendig. Man muss viel reinstecken, damit das Ergebnis so wird, wie man es möchte. Und das ist auch das Interessante an KI: Es ist kein Programm, kein direktes Input-A-raus-kommt-B – man weiß nicht genau, was rauskommt. Es ist immer ein Herantasten. Und dabei kritisch bleiben – sich nicht einlullen lassen: ‚Ach, das hast du jetzt wieder so toll geschrieben, Simone. Auf die Idee wäre ich ja gar nicht gekommen.‘
SIMONE Mich macht das auch skeptisch, wenn ich sowas sehe.
JENS Ja, genau. Und das sollte es auch. Man kann die KI einstellen, dass sie super kritisch ist – aber wo ist da der gute Mittelweg? Das finde ich sowieso das Interessanteste an dieser KI: Es ist nicht klar, was hinten rauskommt. Selbst die Forscher, die sie entwickeln, wissen das nicht immer genau.
SIMONE Falk, als angehender Soziologe – kann KI die Gesellschaft gerechter, fairer machen?
FALK Da sehe ich durchaus Chancen. Zum Beispiel bei Auswahlverfahren für Berufe: Bewerber werden nicht mehr nach Name, Geschlecht oder Staatsangehörigkeit bewertet, sondern tatsächlich nur nach ihren Qualifikationen. Die KI könnte dem Auswahlverfahren eine gleichere Stellung einräumen, als wir als Menschen das leisten können.
SIMONE Kommen wir zur Nachhaltigkeitsschiene – Ressourcenverbrauch und Energieaspekte. Ich habe gehört, dass durch die KI-Expansion auch der Energieverbrauch weltweit steigt.
FALK Das ist wohl der größte Nachteil der KI. Wir bezahlen Geld an die KI-Konzerne, aber im Endeffekt wird unser Geld umgerechnet in sogenannte Token. Da mache ich immer gerne das Beispiel am Handyvertrag: Auch wenn man ein teures Abo kauft, hat man nur eine bestimmte Anzahl an Token. Und Token sind nichts anderes als Einsen und Nullen, die Energie verbrauchen. Die Tech-Industrie versucht momentan neue Wege – zum Beispiel Server in kältere Regionen umzuziehen. Es geht auch um seltene Erden, die für die Grafikkarten benötigt werden. Um Energie zu sparen, wäre das Einfachste: auf Freundlichkeiten mit der KI zu verzichten. Man muss ihr keinen guten Morgen wünschen – das ist unnötige Energie.
SIMONE Die Leute schreiben in ihrer KI ‚Guten Morgen, wie geht es dir‘?
FALK Sehr viele. Ich glaube, einer der häufigsten Prompts des letzten Jahres war ‚Hallo‘ oder ‚Wie geht’s dir?‘ – einer von den dreien ist unter den Top Ten. Und das frisst alles Energie. Da steckt manchmal auch eine Angst dahinter: Ich muss für die KI freundlich sein, nicht dass sie irgendwann klingelt. Das müssen wir nicht – das wird auch nicht passieren. Also: nicht mit vielen Wiederholungen arbeiten, keine Freundlichkeiten.
JENS Auf Freundlichkeiten kann man wirklich verzichten – das Danke kann man sich schenken. Aber um Token zu sparen, ist es vor allem sinnvoll, möglichst gut die Frage zu formulieren – also möglichst viel Kontext mitzugeben –, damit man nicht in ein Ping-Pong verfällt und beim ersten Output schon etwas Gutes rauskommt. Das finde ich sehr wichtig.
SIMONE Also ich überlege mir vorher ganz genau, was ich will, und lasse den Prozess dann möglichst zügig ablaufen.
JENS So ist es. Und man hat oft die Möglichkeit, kleinere Modelle zu wählen. Man muss nicht immer das größte, schnellste Modell nehmen – das verbraucht am meisten Token und da ist auch am meisten Energie fürs Training reingesteckt worden. Das darf man nicht vergessen: Es ist nicht nur die konkrete Anwendung, sondern auch die gesamte Energie, die in diesem Modell steckt.
SIMONE Okay, was ist denn nun das kleinste Modell?
JENS Man kann oft die Stärke des Modells auswählen. Das sieht man meistens an den Preisen beim Hersteller: Das günstigste ist in der Regel das kleinste Modell, und das sollte man wählen, was dem jeweiligen Anwendungsfall angemessen ist. Da muss man ein bisschen rumprobieren.
SIMONE Also: Bei einer KI, die ich bezahle, wähle ich das kleinste Modell?
JENS So ist es. Aber man muss nicht dafür bezahlen, um das kleinste Modell zu wählen – man sieht an den Preisen, welches das kleinste ist, und die Anbieter beschreiben das auch meistens.
FALK Ja, mit dem Ausdruck ‚immer das kleinste Modell nehmen‘ – es gibt ja eine Abstufung: Das kleinste Modell für Alltagssachen und Schreiben – okay. Aber wenn ich zum Beispiel eine Excel-Tabelle auswerten muss, sollte ich das leistungsfähigere Modell nehmen. Es gibt für jede Aufgabe das passende Werkzeug. Ich bin tatsächlich bei vier unterschiedlichen KI-Modellen angemeldet und nutze sie je nach Bereich. Claude ist ein sehr guter Sparring-Partner fürs Programmieren und für komplexe Aufgaben – aber dort sind die Token auch sehr teuer. Für Alltagssachen reicht Gemini oder ChatGPT aus. Oder Mistral, das ich auch schon getestet habe – es ist datenschutzkonform, aber okay. Für einfache Alltagsfragen braucht man keine der großen Plattformen mit den teuren Token.
SIMONE Ich würde nochmal betonen: Wirklich überlegen, wofür man KI nutzt. Das mit dem Kühlschrank fotografieren würde ich unter Energieaspekten doch mal in Frage stellen. Dass man KI dann einsetzt, wenn man sich wirklich einen großen Gewinn davon verspricht.
FALK Ja, aber das sehe ich auf beiden Seiten. Ich habe letztes Jahr mit der KI meine Gasheizung durchforstet – ich bin da nie so richtig durchgestiegen. Ich habe mein Haus eingegeben, meine Grundwerte, und konnte dann, ohne einen teuren Heizungsmonteur rufen zu müssen, 30 Prozent meiner Gaskosten einsparen, einfach weil die Heizung richtig eingestellt wurde. Und dann erlaube ich mir für die Lebensqualität andersrum, den Kühlschrank abzufotografieren.
SIMONE Kann ja auch sein, dass jemand Lebensmittel nicht wegschmeißen muss, weil ihm eine Idee kommt, wie er sie noch verkochen kann.
FALK Und wenn eine Konserve das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hat, kann ich nachfragen, ob das noch verwertbar ist. Mindesthaltbarkeitsdatum bedeutet nicht gleich ‚ungenießbar‘. KI kann uns dabei helfen, nicht nur Geld zu sparen – indem ich teure Fachhandwerker nicht mehr rufen muss –, sondern auch Sachen zu verwerten. Wenn ich ein Problem im Garten habe: Ich habe die und die Werkzeuge, die und die Steine und Hölzer – kann ich damit das bauen, was ich im Kopf habe? So kann KI, wenn sie ressourcenbewusst eingesetzt wird, auch da einen guten Beitrag leisten.
JENS Ja, so ähnlich sehe ich das auch. Ich bin noch weit davon entfernt, den Kühlschrank zu fotografieren – aber bei uns wird auch super gekocht. Was du mit deiner Gasheizung gesagt hast: Ein Kumpel von mir macht das tatsächlich auch. Der fragt die Wetterdaten ab und nutzt die Trägheit seines Gebäudes, um die Heizung zeitversetzt zu steuern – damit hat er schon richtig Einsparungen gemacht. Und ich finde es auch gut, wenn man eine Frage nicht richtig formulieren kann – wenn man in einem Thema nicht tief drin ist, hilft die KI, mal einen Start zu kriegen, das Thema kennenzulernen, die richtigen Begriffe zu lernen. Da ist ein Riesenpotenzial und die Anwendungsfälle sind wahrscheinlich unbegrenzt.
SIMONE Habt ihr noch etwas Abschließendes für unsere Hörerinnen und Hörer? Eine Website, einen Buchtipp oder etwas auf der Meta-Ebene?
FALK Nicht so direkt, ehrlich gesagt. Ich bekomme über Instagram ab und zu kurz und knackig was. Ansonsten ist es vor allem: selber probieren. Man kann mittlerweile KI-Texte erkennen. Man sollte das Prompting richtig lernen – das ist wichtig. Die KI braucht die Meta-Ebene: nicht nur was man aufschreiben würde, sondern wie das Konstrukt am Ende aussehen soll. Man muss damit arbeiten, um die entsprechenden Grenzen zu sehen – wann fängt es an zu halluzinieren, wann muss ich einen neuen Chat aufmachen? Ich glaube, es ist wichtig, ein bisschen die Angst davor zu nehmen. Und ein gutes Beispiel: Seitdem wir die KI haben, gibt es kein neues Element, keine große wissenschaftliche Entdeckung, die wir ausschließlich dadurch erringen konnten.
JENS Oh doch, ohne Ende! AlphaFold zum Beispiel, von Google – das ist ein Deep-Learning-System, das alle denkbaren Proteine gefaltet hat. Proteine falten sich dreidimensional im Raum –
SIMONE Hey, ihr seid Nerds! Das geht zu weit.
JENS Okay, okay – aber das ist ein krasser Meilenstein. Die Forschung wurde dadurch massiv beschleunigt. Da passiert schon einiges.
FALK Ja, Forschung wird beschleunigt – aber es ist nicht so, dass die KI selbstständig von sich aus etwas entwickelt. Es basiert alles auf menschlichem Denken. Wir mussten damals googeln lernen, wir mussten lernen, mit dem Computer umzugehen. Es wird sich in der Wirtschaft einiges tun. Berufe müssen sich anpassen, es werden Berufe wegfallen und neue entstehen. Handwerksberufe werden immer bleiben – die kann KI nicht ersetzen. Es ist viel: selber ausprobieren, ein bisschen die Angst nehmen. Und das Wichtigste: Wir sind immer noch über der KI. Die KI ist unser Werkzeug, und wir tragen die Verantwortung für das, was wir rausschicken, was wir veröffentlichen, was wir mit der KI machen. Unser eigener Geist sollte immer über der KI stehen.
JENS Du hattest nach Literatur und Quellen gefragt. Gerade bei Themen, die einem nicht passen oder die man intuitiv nicht gut findet, sollte man die Gegenseite lesen. Wenn jemand komplett gegen KI ist, sollte er sich einfach mal ein Interview mit Sam Altman ansehen – das ist der Geschäftsführer von OpenAI, der ChatGPT vorantreibt. Einfach mal ein Interview mit diesen Menschen lesen und sich ein eigenes Bild machen – das finde ich sehr wichtig. Und außerdem: KI ist digital, das echte Leben ist woanders. Wir können es für die Arbeit nutzen, uns damit unterhalten und rumspielen – aber um die Menschlichkeit nicht zu verlieren, müssen wir Menschen bleiben: menschliche Dinge tun, Menschen treffen, menschliche Erfahrungen machen.
SIMONE Ja, schön. Danke euch. Ihr könntet euch wahrscheinlich stundenlang darüber austauschen. Ich hoffe, es hat befruchtet – und man kann etwas rausnehmen, auch als jemand, der nachhaltigkeitsbewusst ist und trotzdem am modernen Leben teilhaben möchte. Danke euch.
JENS Dankeschön..
Ressourcen & Weiterführendes
Leider gibt es nicht viele gute deutschsprachige Quellen, daher hat euch Jens ein paar gute Sachen auf Englisch rausgesucht.
Eine weitere Episode zum Thema findet ihr hier: https://siebenlinden.org/de/folge-94-kapitalismus-trifft-ki-und-dann/ (Podcast aus 2024 zu Rainer aus Sieben Linden und seiner eigenen KI)
- Datenschutzwahrendere KI in der Cloud:
- KI lokal auf dem eigenen Rechner betreiben:
- GPT4All: Graphische Anwendung für MacOS, Windows, Linux, um diverse Modelle lokal laufen zu lassen
- Modelfit.IO: Finde das beste Modell für deine Hardware
- Ollama: Für Puristen, Kommandozeile
- Einführungen:
- Einführende englische Video-Präsentation: Andrej Karpathy – Intro to Large Language Models
- Financial Times (englisch): Generative AI exists because of the transformer
- Weiterführende Kurse, Artikel:
- LLM-Kurs: https://cohere.com/llmu
- Anatomy of an LLM: www.royvanrijn.com/anatomy-of-an-llm
- Für Nerds:
- Für den tiefen Einstieg – 30 einflussreiche wissenschaftliche Papers: https://30papers.com/
- Hochkarätige Twitter-Profile: https://x.com/ilyasut und https://x.com/karpathy
Autorin: Simone Britsch
Mail: podcast@siebenlinden.org
Interviewpartner: Falk Hantschmann und Jens Steger
Veröffentlicht unter der Creative Commons (CC BY 4.0)
Copyright Freundeskreis Ökodorf e.V., 06.08.2026
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06.08.26 | Folge 157: KI, Nachhaltigkeit und das Leben | 45:26 |
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