Trauerarbeit ist Friedensarbeit

Trauer, die nicht fließen kann verhindert Verbindung. Die Trauer-Arbeit ist seit vielen Jahren mein ständiger Begleiter, um immer wieder Frieden in mir zu finden. Um Vergeben zu können und neuen Lebensmut zu schöpfen. Um wieder aufzustehen und weiterzugehen. Im Februar hatten wir in Sieben Linden das Angebot, an einem Trauer-Ritual teilzunehmen – und die Tränen flossen: Wenn wir gemeinsam Trauern können, dann können wir dem Chaos in der Welt begegnen. 

Trauer ist persönlich und kollektiv

Es gibt viele Momente, die Trauer auslösen können: Persönliche Lebenskrisen, Verluste, Niederlagen. Es gibt viele Erlebnisse, die Verletzungen verursachen.  Es gibt auch viele Momente, in denen wir andere Menschen verletzten. Und es gibt unendlich viele weitere Gründe, warum Trauergefühle entstehen können. 

Hinzu kommt kollektive Trauer, sowie die Trauer unserer Ahn:innen. Besonders aktuell spüre ich Trauer über den Krieg an so vielen Orten auf der Welt. Ich spüre Trauer darüber, dass ich selbst in einem Land lebe, in dem noch vor wenigen Jahren Krieg herrschte und über all das was dieser Erde schon passiert ist.  

Ob persönlich oder kollektiv. Ob aus aktuell oder aus der Vergangenheit: Nicht alles wird ausreichend betrauert, um nährend integriert zu werden. Es entsteht eine Schicht der verbliebenen Trauergefühle, die unsere Lebensfreude beschattet und ein Gefühl von Verbundenheit verhindert.

Trauer trennt uns vom Leben und von uns selbst 

Wenn Trauer nicht fließen kann fühlen wir uns getrennt.

Getrennt vom Leben.

Getrennt von anderen Menschen.

Getrennt von dir selbst. 

Getrennt von deiner Gabe und deiner Wirkkraft.

Wir können die Schönheit des Lebens nicht mehr wahrnehmen. Das Leuchten in der Augen der Kinder oder den Zauber eines Sonnenaufgangs. Meine indigenen Lehrer*innen naturverbundener Kulturen sprechen vom „Staub des Todes“ der sich mit dieser Trauer über unsere Herzen und unsere Augen legt.

Trauerritual fand in Sieben Linden im Februar statt

Wenn Trauer ins Fließen kommt, wenn sie anerkannt und gesehen wird, dann kann sich dieser Staub lösen. Etwas kommt in Bewegung und wandelt sich. Erleichterung, Ruhe und Frieden kehren ein. Dieses Phänomen immer wieder zu erleben, in mir selbst und in gemeinschaftlichen Trauer-Räumen schenkt mir immer wieder Hoffnung für unsere Zukunft.

Im Februar haben viele von uns in Sieben Linden als Gemeinschaft getrauert – im Rahmen eines Rituales. Über zwei Tage gab es die Möglichkeit, die eigenen Gefühle in einem geschützen Raum auszudrücken. Es war ein Kommen und Gehen und viele fühlten sich erleichtert und gestärkt danach. Ich glaube fest daran: Wenn wir gemeinsam Trauern können, dann können wir dem Chaos in der Welt begegnen. 

Wenn Trauer einen Platz hat – in unserem persönlichen Leben, in unseren Gemeinschaften und in der Welt, dann können wir als Menschen ganz sein. Wir können Frieden finden – in uns und in unseren Beziehungen.

Jessica Heiler begleitet Menschen ihre Wurzeln zu finden. Jessica ist spezialisiert auf einen gesunden Umgang mit intensiven Trauer-Gefühlen. Sie bietet ein Webinar-Bündel zum Thema „Trauer-Wissen und -Kompetenz“ sowie ein jährliches Trauer-Ritual in der Lebensgemeinschaft Schloss Tempelhof an. http://jessica-heiler.com

Angebote von und mit Jessica im Sieben Linden-Programm:

28. April 2026 77 Minuten live online aus Sieben Linden (10.00 – 11.17 Uhr): Elemente die dich tragen