Ökologisch Bauen in Sieben Linden

Ökologisch Bauen

Da Sieben Linden ein Dorf ist, das (fast) komplett neu entstanden ist und auch weiterhin wächst, spielt ökologisches Bauen für uns eine besondere Rolle: Schon die beiden historischen Kerngebäude, unsere heutigen Gemeinschaftsräumlichkeiten, sind mit natürlichen Baustoffen renoviert und erweitert – unter tatkräftiger Mithilfe vieler freireisenden Gesell*innen und Bauhelfer*innen.

Inzwischen stehen hier 13 weitere Öko- und Niedrigenergiehäuser, davon 11 Strohballenhäuser mit den Haupt-Baustoffen Holz, Stroh, Lehm (Stand 2017). Vor allem für das Bauen mit Stroh konnten wir hier viel Pionierarbeit leisten: In Sieben Linden findet sich unseres Wissens die größte Dichte von unterschiedlichen Strohballenhäusern weltweit.

Strohbau passt hervorragend zu unserem Ziel, mit allem, was wir tun, möglichst kleine und nachhaltige Kreislaufe aufzubauen. Die Strohballen kommen in der Regel von Äckern aus der unmittelbaren Umgebung. Das Holz kam bei einigen Baustellen aus dem eigenen Wald, bei anderen vom Holzhändler. Auch der Lehm kann von vor Ort kommen – einige Häuser wurden mit lokalem Lehm erstellt, der aber deutlich arbeitsaufwändiger zu verarbeiten ist als gekaufter Lehmputz. Daher wurden die meisten Häuser mit Lehmputz aus Brandenburg verputzt.

Mehrere Meilensteine der Geschichte des Strohbaus in Deutschland finden sich in Sieben Linden:

Hier stehen zehn verschiedene Häuser in Strohbauweise, die jeweils wichtige Schritte für die Entwicklung und Durchsetzung der Strohbauweise insgesamt waren.

Die „Villa Strohbunt“, erbaut 2001 – 2004, war das erste Gebäude, das in Deutschland eine Baugenehmigung für den Bau mit dem Baustoff Strohballen bekommen hat. Außerdem wurde dieses Haus im Rahmen eines Experimentes komplett von Hand und nur aus regionalen und recycelten Baustoffen gebaut.

Unser dreigeschossiges Strohballenhaus „Strohpolis“ war bei seiner Entstehung in 2004 das größte Strohballen(wohn)haus Europas. In Zusammenarbeit mit dem  Fachverband Strohballenbau haben wir es anhand der für dieses Haus notwendigen Nachweise geschafft, für Stroh als Baustoff ein „Allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis“ zu bekommen, inzwischen gibt es eine offizielle „Strohbaurichtlinie“ und eine bauaufsichtliche Zulassung für „Baustroh“ als Baumaterial.

Das Strohballenhaus „Windrose“ war das erste vorgefertigte Strohballenhaus in Deutschland. Auch wurden hier erstmals die Strohballen aufrecht eingebracht – was zu einer Verringerung der Wanddicke bei gleicher Dämmstärke beitrug.

Außenwände aus Strohballen sind zwar der bekannteste, aber bei weitem nicht der einzige Aspekt des ökologischen Bauens in Sieben Linden. Wir haben durch interne Vorgaben bewusst die überbaubare Fläche pro Person niedrig gehalten und verzichten in Sieben Linden konsequent auf unökologische Baumaterialien wie Mineralwolle, PU-Schaum, sowie PVC-haltige Bauteile. Moderne Holzheizungen, gute passive Solarnutzung, sowie die Nutzung von solarthermischen Anlagen sind selbstverständlich. Nutzung von Bauholz aus dem eigenen Wald, sowie von Recyclingmaterialien auch im Neubau gehört zu den Besonderheiten einiger unserer Bauvorhaben. Ebenfalls nutzen wir in gesamten Dorf nur Komposttoiletten.

 

Das Wohnen im Bauwagen ist als Übergang akzeptiert. Denn auch der bestgedämmte Bauwagen kommt beim Heizenergieverbrauch nicht an unsere Strohballenhäuser heran, auch wenn unsere Bauwägen hohen ökologischen Standards genügen. In Zukunft, wenn noch mehr Häuser gebaut sind, sollen nur noch etwa 10 % der Bewohner*innen im Bauwagen leben.