Simone in Tamera auf dem Acker
Simone in Tamera auf dem Acker

In Tamera und überall: Wasser ernten!

Ich bin in das Ökodorf Tamera nach Portugal gereist, um hier etwas über das Zukunftsthema Wasser zu lernen. Die Situation in der Region Alentejo hat sich in den letzten 5 Jahren kontinuierlich zugespitzt: Es ist unfassbar trocken hier. Die Wälder brennen immer wieder. Und gleichzeitig fließt noch viel Winter-Regenwasser oberflächlich ab. Dafür hat das Ökodorf Tamera wegweisende Lösungen entwickelt und umgesetzt. Spannend!

Wir sind durch ein ausgetrocknetes Flussbett gelaufen, dass letztes Jahr noch durchflossen wurde – was für ein Wahnsinn. Ich habe in einen leeren Brunnenschacht geschaut und erfahren, dass viele Brunnen einen Rekord-Tiefstand haben. Viele der portugiesischen Stauseen haben nur noch wenig Trinkwasservorrat und Quellen sind ausgetrocknet. Waldbrände lauern als ständige Bedrohung, vor acht Wochen sind südlich von Tamera (beim Ort Odemira) 7000 Hektar abgebrannt. Ich bin durch das Gebiet gefahren und habe schwer schlucken müssen: ein sehr, sehr trauriger Anblick. Seit Jahresanfang gab es in Portugal bereits mehr als 5600 Brände, die insgesamt über 25.000 Hektar Natur zerstört haben. Das entspricht einer Fläche von 35.000 Fußball-Feldern.

Und inmitten dieser Umgebung befindet sich seit über 25 Jahren die Gemeinschaft Tamera, die einen Permakultur-Kurs anbietet, der lehrt, wie „Wasserretentionslandschaften“ aufgebaut werden können. Ich habe gelernt: Wasserrückhalt ist das Zauberwort. Um die Schwammwirkung des Geländes geht es, die wieder gesteigert werden soll! Denn das Alentejo ist eigentlich gar nicht so trocken: Die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt hier in normalen Jahren um die 700mm. Dieser Regen fällt nur im Winter und würde ausreichen, um die Bevölkerung der Region das ganze Jahr hindurch mit einer Fülle an Trink- und Brauchwasser sowie die Landwirtschaft mit Bewässerungswasser zu versorgen. Statt dessen fließt das Wasser über entwaldete, verdichtete Böden und Entwässerungsgräben ungebremst ab, wird nicht genutzt, sondern verursacht sogar Schäden: Es reißt fruchtbaren Boden mit und hinterlässt verarmte Erde, deren Wasserhaltekapazität weiter degradiert. Ein Teufelskreis.

Das Bewusstsein für unser knappes Gut Trinkwasser ist hier in Portugal bei vielen Naturschützer:innen, Biolandwirt:innen und Aktivist:innen besonders ausgeprägt. Tamera ist in Sachen Wasserrention ein Vorzeigeprojekt geworden, dass auch in der Region gut vernetzt ist und andere inspiriert. Die bekanntesten Beispiele sind die Seen, die mit dem bekannten österreichischen Permakultur-Spezialisten Sepp Holzer, die seit 2007 angelegt wurden. Noch wichtiger ist allerdings die Renaturierung der Hänge, die durch Abholzung, Beweidung und Erosion in den Jahrzehnten vor der Besiedlung durch die Gemeinschaft ihre Wasserhaltekraft verloren haben.

Das was hier schon umgesetzt wird ist zukunftsweisend und auch übertragbar auf Nordeuropa, auf die Altmark, auf Sieben Linden – denn viele treibt die Frage um, wie unsere Landschaften wieder reicher an Wasser werden können. Sieben Linden war in den letzten Jahren stark von Trockenheit betroffen, liegen wir doch in einem der bundesweit regenärmsten Gebiete. Unsere Trockentrenntoiletten und die Versicherung des in der Pflanzenkläranlage gereinigten Grauwassers ist schon seit unserer Gründung fester Bestandteil des Wasserkonzeptes. Aber auch wir können sicher noch mehr tun, um resilienter in Sachen Wasser zu werden.

Es gibt auch die Bedrohung des Zuviels an Wasser gleich nebenan: Die Straßen unserer Nachbarsiedlung Poppau werden bei Starkregen unter Wasser gesetzt, so dass man vor wenigen Jahren mit großanlegeten Baggerarbeiten Rückhaltebecken am Füße des Ackers gebaut hat – ein Verlust an Ackerfläche und wiederum verdichteter Boden. Nach dem Kurs in Tamera bin ich überzeugt: Es hätte ökologischere Lösungen gegeben, den intensiv landwirtschaftlich genutzen, sehr großflächigen Acker in seiner Hanglage wieder in seine Schwammwirkung zu rückzuführen, so dass er zukünftig das Wasser halten und für das Pflanzenwachstum nutzen könnte!

Wo immer du bist: Sieh zu, dass Regenwasser nicht mehr ungenutzt abfließt, sondern stattdessen dort versickert, wo der Niederschlag die Erde berührt und so das Grundwasser anreichert. Die motivierende Nachricht ist: Wer kleinräumig den Wasserhaushalt regeneriert, setzt auch dem Klimawandel etwas entgegen!

Hör gern rein in den Podcast mit Silvano Rizzi, der seit 2014 in Tamera mit viel fachlichem Sachverstand und zwei zupackenden Händen für das Thema Agua na Terra – Wasser in die Erde eintritt. LINK PODCAST

Simone Britsch

Weiterführende Infos:

– Heilungsbiotop und Gemeinschaft Tamera: www.tamera.org
Alles über Wasserretention in Tamera
Kurs Waterretention Landscape mit Marcus Dittrich und Silvano Rizzi – jedes Jahr zwei Termine in Tamera Silvano Rizzis
YouTube-Kanal mit vielen informativen Videos zur Wasserrentention

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